Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 222
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1885/0232
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
der Jijia abwärts in der westlichen Moldau sind nur einzelne Reste
vom Trojan zu sehen, wie besonders diejenigen unterhalb des Gates
von Herrn Donici auf Cismanesci, ferner bei Trusesci auf dem Ge-
biete des Dreikönigsklosters (Trei - Erarchi) und noch an anderen
Stellen."

IV

Wie die vorstehenden Besprechungen zeigen, sind Wälle und
Schanzen in den hiesigen Gegenden ausserordentlich zahlreich. Es
kann daher wohl mit Recht Zweifel erhoben werden, ob dieselben alle
römisch seien, zumal wenn man bedenkt, dass auch in Ländern,
die von den Römern nie betreten wurden, z. B. im Dniepergebiet
bei Kiew, ferner durch Grosspolen, Schlesien und die Lausitz hin
ähnliche Wälle sich finden sollen35). Die slavischen Völker scheinen
solche Befestigungswerke geliebt zu haben, und dass auch schon
die Barbaren, mit denen die Römer in Berührung kamen, sie kannten,
beweist die Angabe des Tacitus36), nach der die Treverer in ihrem
Kampfe gegen die Germanen eine Brustwehr durch ihr Gebiet
zogen. Wir werden daher, um über die Entstehung unserer Wälle
in's Klare zu kommen, nicht bloss die Römer als Urheber in's Auge
zu fassen haben, sondern eben so gut die Dacier, die sich gegen
jene vertheidigten, und nicht minder die vielen Nationen, welche nach
den Römern den hiesigen Boden betraten, besonders die Germanen-
stämme, welche die ersten grossen Kämpfe der Völkerwanderung an
der unteren Donau geliefert haben.

Sprechen wir zunächst von dem grossen walachischen Walle,
der zwar nur bis zur Mitte der Walachei festgestellt werden konnte,
aber sicherlich dort nicht im Leeren abbrach, sondern weiter nach
Osten hin einen festen Anschluss finden musste. Dass er dies that,
indem er am Buzeuflusse entlang bis zum Sereth lief, ist die ge-
wöhnlichste und allerdings auch ansprechendste Vermuthung.

Dacisch kann der Wall nicht sein, sonst würde seine Ver-
theidigungsfront, der Graben, jedenfalls gegen Süden liegen. Auch
römisch ist er schwerlich. Denn selbst in die zwei einzigen
Perioden, denen er in diesem Falle angehören könnte, Anfang
oder Ende der römischen Herrschaft in Dacien, passt er wenig.

35) Siehe die oben angeführte Stelle Miron Costin's und Schaffarik, Slav.
Alterthümer I p. 520 f.

36) Tac. Hist. IV 37: quin et loricam vallumque per fines suos Treveri struxere
magnisque invicem cladibus cum Germanis certabant.
loading ...