Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 227
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benennt das grosse Donauknie bei dem heutigen Galatz immer
nach Dinogetia 4G); die Stadt muss also scharf an jener Biegung und
dicht an der Donau gelegen haben. Für eine solche Lage bietet
sich aber am rechten Ufer gar keine Möglichkeit, wegen der 5 Kilom.
breiten Versumpfung, die der Fluss hier angerichtet hat. Und in
der That sind auch zwischen Arrubium (Macin) und Noviodunum
(Isaccea) durchaus keine Spuren einer einstigen Ansiedlung vor-
handen.

Am gegenüberliegenden Ufer dagegen befindet sich, nördlich
vom Einfluss des Sereth, ein grosser Ruinencomplex, der vom Volke
Gertina oder Gergina genannt wird und der durch jede neue Spende
uns der Gewissheit näher bringt, dass eben dort Dinogetia ge-
standen habe.

Ptolemaeus zählt Dinogetia zu Niedermösien. Die zwei Haupt-
inschriften, die bis jetzt aus Gertina veröffentlicht sind, zeigen
beide, dass dieser Punkt des linken Ufers von drüben, von Nieder-
mösien aus, seine Besatzung erhielt47), zur Zeit Trajans sowohl,
aus der die erste, wie zu der des Marcus Aurelius, aus der die
zweite stammt. Im Jassyer naturhistorischen Museum fand ich jetzt
noch mehrere Gegenstände aus Gertina, die fast 40 Jahre in einem
Kellerwinkel versteckt gewesen und zufällig vorigen Herbst hervor-
gezogen waren Ausser ein paar unbedeutenden Inschriftenfragmenten
und einer Lampe waren das zwei Ziegel mit dem Stempel: coH-n-wv-n-48)
und ein dritter von der leg. V Mac.; ferner aber, sehr merkwürdig,
ein halbes Dutzend griechischer Lekythen, darunter zwei schwarz-
figurige; mit der gleichen Darstellung eines zum Abfahren bereiten
Viergespanns. Der Krieger auf dem Wagen hat die Zügel ergriffen, vor
den Pferden steht ein Mann mit erhobenem Stabe, hinter ihnen ein
anderer leierspielend. Daneben fiel mir noch die hübsch gearbeitete,
wenn auch sehr verwaschene, 12 Cm. hohe Terracottafigur eines
bärtigen Mannes auf, der mit gesenkten Armen in ein langes
Gewand gekleidet ist. Ich wollte nicht glauben, dass diese Dinge
aus Gertina stammten, aber Herr Prof. Beldiceanu, der mich führte,
versicherte, dass nie etwas nach Jassy gekommen sei ausser von
dort und zeigte mir nachher in seiner Wohnung die ganz gleiche

46) Ptol. III 8, 2; 10, 1.

47) C. I. L. III 777 (s. Mommsen's Anm. dazu) u. 778.

48) Die C, I. L. III 785, 2 nach Vaillant wieclergegebene Lesung ist danach

zu corrigieren.

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