Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 231
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Von regelrechten Ausgrabungen in Celei, von dem wir noch
nicht einmal den römischen Namen wissen, und besonders auch in
Kecica ist noch viel Aufschluss über die Geschichte Daciens zu
hoffen. In Recica, dem ich zusammen mit Hrn. Dr. v. Domaszewski
einen flüchtigen Besuch abstattete, fanden wir die Bauinschrift der
römischen Festung, welche die schon mehrfach ausgesprochene Ver-
muthung, dass dort Romula zu suchen sei, endgültig bestätigt. Die
Inschrift ist stellenweise sehr verwischt, in den ersten neun Zeilen
konnte nur der Name des Kaisers M. (Jid. Philippus), nebst dem des
Sohnes ili. Jul. (Philippus) und seiner Gemalin Otacilüi festgestellt
werden. Die letzten drei Zeilen aber sind völlig klar, sie lauten:
ob tutelam civitatis) coloniae suae j Ro/nul(ensium) cireuitum muri
mann \ militari a solo fecerunt. Hoffentlich wird das vielfach inte-
ressante Stück, das jetzt in die Obhut des Herrn Prof. Tocilescu
in Bukarest gekommen ist, bald ganz publiciert.

Ich bin durch diese Entdeckung veranlasst worden, die von
der Tabula Peutingeriana genannte Chaussee Drubetis - Romula-
Apulum in einer Hinsicht anders zu ziehen, als es bisher üblich
war. Ich habe dieselbe nämlich von Drubetis über Amutria Pelen-
dova Gastra nova in gerader Linie bis Romula durchgeführt, wäh-
rend man sie bisher zwischen Castra nova und Romula im spitzen
Winkel den Umweg über Celei machen Hess. Von Drubetis bis
Castra nova sind im Ganzen 91 m. p. ~ 136*5 Kilom. angegeben;
Castra nova muss also gleich hinter Craiova liegen. Von da bis
Romula sollsn nach der Peutingeriana vXX m. p. sein. Diese Zahl
wird allgemein für 70 gelesen und würde also 105 Kilom. aus-
machen. Das wäre für die directe Entfernung der beiden Orte zu
viel und deshalb kam man eben auf jenen Umweg über Celei.
Aber für diesen Umweg ist es wieder unbedingt zu wenig: selbst
wenn man Castra nova etwa nach Cacaletzi setzen wollte — wie
Gooss thut61) — was schon sehr weit über Craiova hinaus wäre,
würde noch die Luftlinie bis Celei und von da nach Recica mehr
betragen als jene 105 Kilometer. Und gesetzt, die Chaussee wäre
wirklich so gelaufen, wäre es dann wohl denkbar, dass sie die
Station bei Celei, die nach den dort befindlichen Ruinen und nach
ihrer einzigen, aber vielversprechenden Inschrift62) vielleicht der

6l) Gooss, Studien etc., Schässburg 1874 p. 42.

ß2) Die oben erwähnte des Commodus. Siehe Hirschfeld Areh.-epigr. Mitth.
III p. 41.
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