Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 232
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wichtigste Ort- im ganzen südlichen Dacien war, gar nicht erwähnt
hätte ?

Man hat sich diese Schwierigkeiten nicht verhehlt und dess-
halb eine stärkere Verderbniss jener Stelle der Peutingeriana ange-
nommen 63). Aber ich glaube, die Frage lässt sich durch eine kleine
Correctur vollständig lösen und diese dürfen wir jetzt getrost wagen,
da wir über die Lage von Romula völlig im Sicheren sind. Das
Zeichen, womit die Peutingeriana die Entfernung zwischen Castra
nova und Romula angiebt, ist eben nicht als 70 zu lesen. Sie
hat für die Zahl 50 sonst immer ein langes L, das ganz anders
aussieht als jener curiose Haken vor XX. Ich vermuthe in diesem
Haken einfach den Rest eines X. Die 30 m. p. = 45 Kilom.,
die so entständen, würden für die directe Entfernung von Castra
nova nach Romula vortrefflich passen. Es wäre auch ganz unbe-
greiflich, wenn von dem recht bedeutenden Romula kein directer
Weg nach dem Westen hin existiert hätte. Dass aber das Chaussee-
stück von Romula nach Celei auf diese Weise auf der Peutingeriana
nicht erwähnt war, darf uns nicht wundern: gab es doch gar man-
cherlei Strassen in Dacien, wie z. B» die grosse an der Marosch
entlang64), oder die eben beschriebene von Flamanda hinauf, von
denen sich auf jener Karte keine Spur findet.

Ja, gleich neben der von Romula nach Celei führenden lief
von derselben Stadt aus noch eine Strasse dicht am Alutaufer nach
Islaz hinunter, die auch auf der Peutinger'schen Karte nicht ver-
zeichnet steht, über deren Vorhandensein uns aber die Enquete-
berichte65) aus den Dörfern Recica, Farcasch, Stoinesci, Slaveni,
Gostavetzi, Scarischora völlig vergewissern.

63) Mommsen im C. I. L. III p. 252: Peutingeranae itinera per eas -partes
perplexa sunt et turbata.

64) Gooss, Stud. p. 45.

65) Gedruckt bei Odobescu a. a. O. p. 182 f., Scarischora aus den Reise-
notizen Dem. Sturdza's p. 232.

Epureni

C. SCHUCHHARDT
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