Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 233
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Das Amphitheater zu Aquincum *)

(Zu Band VIII Taf. IV)

Im Herbste des Jahres 1880 beschloss die Commission für
Kunstdenkmäler, auf dem sogenannten Schneckenberge, in der Nähe
der nördlich von Altofen gelegenen Krempelmühle Ausgrabungen
vorzunehmen. Schon die ersten Versuche lieferten den Beweis,
dass unter dem Schneckenberge das Amphitheater der Stadt Aquin-
cum verborgen lag. In jener ersten Campagne wurden jedoch nur
die nördliche Hälfte, sowie die unmittelbar an die Thore anstos-
senden Theile der südlichen Hälfte aufgedeckt. Obwohl das hervor-
tretende Grundwasser die vollständige Blosslegung des Bodens der
Arena verhinderte, so Hessen sich doch die Masse mit Sicherheit
feststellen. Die Länge der grossen Axe in der Richtung vom
Westthore (K) zum Ostthore (I) gerechnet, beträgt 5336 M., die
Länge der kleinen Axe von der Kammer 2 zu Kammer 5 beträgt
45*54 M., der Flächeninhalt 1908 53 Quadratm.

Ein tiefer Einschnitt vor der Kammer 2 lieferte den Be-
weis, dass der Boden der Arena aus festgestampftem Mergelthone
bestand, welcher mit einer Schichte von Kieselsand überzogen war.

Die Arena war ringsum von einer circa 0 7 M. dicken Alauer
umschlossen (A, I, G, H, K, B). Diese Mauer erhob sich auf einem
Fundament aus Bruchsteinen, welches in dem schon genannten Ein-
schnitte vor Kammer 2 zu Tage trat, und bestand aus zwei Theilen,
einem äusseren Ringe von 0*38 Br. aus Bruchsteinen, die durch
Kalkmörtel verbunden waren, gebaut, und einem inneren aus Stein-
quadern von 0*32 Dicke und verschiedener Länge, welche in
Schichten von gleicher Höhe übereinander lagen. Die Höhe dieser
Mauer betrug an der best erhaltenen Stelle der Bruchsteinmauer
2'57. Diese Podiummauer wurde durch Decksteine von 0'6 H.,
0*59 Br. und wechselnder Länge gekrönt. Die oberste Schichte
des inneren Ringes der Podiummauer scheint 0*15 unter diesen
Decksteinen hervorgeragt zu haben. Demgemäss betrug die Höhe
der Podiummauer mit den Decksteinen, die zugleich als Schranken
für die Cavea dienten, 3*17.

*) Nach Torma Karoly. Az Aquincumi Amphiteatrum ejszaki feie (der nörd-
liche Theil des Amphitheaters von Aquincum). Budapest 1881. Der Auszug be-
schränkt sich im Wesentlichen auf eine Erläuterung des Grundrisses. — Die im
Amphitheater gefundenen Inschriften sind nach derselben Monographie abgedruckt
in dieser Zeitschrift VII S. 93—98.
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