Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 268
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Jenny Mitth. d. Centralcomm. V (1879) S. CXXII. In Z. 2 Reste von ESP,
also offenbar des Namens Vespasian.

400. Auf beiden Seiten beschriebenes B1 ei täf el ch en, im J. 1865 auf der
römischen Begräbnissstätte zu Bregenz gefunden. Es lag in einem Grabe, welches
sich durch die Beigaben (ein Metallspiegel, ein Armband) als das einer Frau kenn-
zeichnete. Der Inhalt der Aussenseite (a) ergibt, dass das Täfeichen für eine defixiö
bestimmt war. Doch wurde es nicht wie gewöhnlich mit Nägeln befestigt (defixa),
sondern nach der Beschreibung auf einen runden Gegenstand mit ebener Fläche
aufgeschlagen (das Blei so eingebogen, dass es auf der Aussenseite ungefähr recht-
winkelig nach unten, auf der Innenseite nach oben geneigt ist). Die Schrift der
Innenseite ist von anderer Hand als die der Aussenseite und hat so sehr gelitten,
dass sie nicht zu entziffern ist. Von dem Plättchen fehlt nur wenig an den oberen
Ecken.

a) Inschrift der Aussenseite:

DOMITIVS- NIGIIR ■ IIT ■ || (Z)OLLIVS ■ IIT IVLIVS SIIVüRVS [| UTSIiVIIRVS • NIGR-I SIIRVS
ADVIIrs||ARI BRVTTAII • IIT • QVISQVIS ADVIl||RSVS ILAM LOQVT OMNIIS ||PIIRDIIS.

Domitius Niger et [Ljollius et Julius Severus et Severus Nigri ser(v)us, adve[rs]ari(i)
Bruttac, et quisquis adversus il{l)am loqut{us est), omnes perdes.

b) Inschrift der Innenseite:

Z. 6: VALIIRIVM — Z. 4 vielleicht MINOR (oder MINORII). — Wahrschein-
lich enthielt auch diese Seite eine (früher geschriebene) Defixio.

Facsimile, Lesung und Deutung von K. Zangemeister in Mitth. d. Central-
comm. VIII (1882) p. 57 f.

Einige andere kleinere Reste von Sgraffiti in Bregenz werden mit Erklärung
von Zangemeister mitgetheilt von Jenny in Mitth. d. Centralcomm. X (1884) p. 14 f.
u. XXIII. Jahresbericht d. Museums-Vereins in Bregenz p. 2 ff.

Instrumentum.

401. Stempelfunde (Grabungen im Jahre 1880) in Bregenz. Auf einem
Reibschalenrand aus hartem gelben Thon:

FIRMi

FAVORI

Auf Henkeln von Amphoren: T-V-B und S-N-P

Auf Terra sigillata. Töpferstempel: Jul. Primi o(ßcina) — Polinus ofi. Maximi
— Of. Se (vielleicht of. Severi) — Patrici — Juliini und Stempelschneider Imanni
inmitten einer Scene aus der Arena mit gut modellirten Thieren (Löwe, Löwin,
Panther, Antilope).

Jenny, Mitth. d. Centralcomm. VIII (1882) p. 101.

Wien S. FRANKFURTER
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