Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Zu Domaszewski's Abhandlung über die

römischen Fahnen

Alfred von Domaszewski's Untersuchung über cdie Fahnen im
römischen Heere' (Wien 1885. 8) füllt eine längst empfundene Lücke
in unserer Forschung in dankenswertester Weise aus; die gleich-
massige Beherrschung des philologischen sowie des epigraphischen
und des archäologischen Materials verbindet sich hier mit einer
Kenntniss der militärischen Technik, wie sie auf dieses Gebiet
schwerlich bisher Anwendung gefunden hat. Wenn ich dieser An-
erkennung einer vorzüglichen Leistung Ausdruck gebe durch Ein-
spruch gegen mehrere der darin gezogenen Consequenzen, so wird
dies hoffentlich auf keiner Seite missverstanden werden. Erat, quod
tollere velles — insbesondere manche überkühne und allzu weit aus-
greifende Aufstellung; aber nur um so mehr habe ich mich von
dem bleibenden Werth zahlreicher Ausführungen überzeugt.

I. Feldzeichen und Offiziere

Die allerdings nie verkannte taktische Bedeutung der Feld-
zeichen hat Domaszewski in überzeugender Deutlichkeit entwickelt,
insbesondere gezeigt, dass auf ihnen in Verbindung mit den durch
Blasinstrumente gegebenen Signalen die gesammte Gefechtleitung
beruht. Aber kaum wird man ihm darin zustimmen können, dass
er dem Adler in seiner späteren Verwendung und überhaupt dem
Corps-Feldzeichen eine lediglich symbolische' Bedeutung vindicirt
(S. 24). Was dem einen recht, ist dem anderen billig; und es ist
wenig glaublich, dass auch in der späteren Entwicklung des römi-
schen Militärwesens man zu praktisch werthloser Symbolisirung
gegriffen hat. cDass dem einen Adler', sagt der Verfasser, cfür die
sechstausend Mann starke Legion keine taktische Bedeutung zu-
kommen kann, bedarf wohl keines Beweises3. Gewiss in dem Sinne
nicht, als hätten ihn die Legionare so im Auge zu behalten gehabt,

Archäologiscli-epigraphische Mittli. X. i
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