Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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stehenden Truppe, so muss die Legion, als diese Zeichen auf-
kamen, in fünf oder, da das eine derselben der ganzen Legion hat
angehören können, in vier Haufen mit besonderer Führung zerfallen
sein. Da nun aber etwa um dieselbe Zeit die Beseitigung der vier
Ordnungen der Legionarier stattfand, so ist die Frage nicht ohne
Berechtigung, ob nicht der Adler von jeher die ganze Legion
repräsentirt und den Standpunkt ihres Stabes bezeichnet, die übrigen
Standarten aber den drei Treffen nebst den velites zukommen.
Die Ausgleichung der sämmtlichen Legionare würde also in der
Beseitigung dieser Zeichen unter alleiniger Festhaltung des Adlers
einen sehr angemessenen Ausdruck finden. Auch werden diese
Abtheilungen oftmals bei den Operationen als besondere Abthei-
lungen verwendet10).

Freilich, über Sonderführung eines jeden dieser Treffen ist
nicht nur nichts bekannt, sondern dieselbe auch mit der wohlbe-
kannten Offiziersordnung schwer vereinbar11). Aber wir werden
uns billig erinnern, dass wir von der ursprünglichen militärischen
Verwendung der drei Treffen in der That nichts wissen, die drei
Benennungen hastati, principes, pilani, so klar sie nach ihrem Wort-
sinne sind, in Einklang mit diesem zu erklären nicht vermögen;
wir werden es darum auch als möglich gelten lassen müssen, dass
sie bei ihrer Einführung für gesonderte Verwendung bestimmt
worden sind und daher gesonderte Feldzeichen erhalten haben.

Dass die fünf Feldzeichen zu der Legion, die Polybios beschreibt,
nicht passen, ist unbestreitbar; aber wenn sie im J. G50 definitiv
abgeschafft und eine Weile vorher, wie Plinius sagt, wohl noch ge-
führt, aber bei dem Gefecht im Lager gelassen wurden, so können

bination der Träger dieser Zeielien mit den zweiten signiferi bei Polybios ist mir
unverständlich geblieben. — Dies sind wohl die signa, die im Aerarium aufbewahrt
wurden (Staatsrecht 2, 531) und die also dauernd waren, obwohl die Legionen
selbst jährlich neu gebildet wurden. Die Bundesgenossen führen nach strengem
Sprachgebrauch nicht signa, sondern nur vexilla (Liv. 39, 20, 7; vgl. 25, 14, 4. 7);
diese wurden schwerlich als ständige betrachtet und sicher nicht im römischen
Aerarium aufbewahrt.

l0) Die Belege bei Domaszewski S. 20 A. 4.

%1) Denkbar ist es, dass die Kriegstribune hiefür verwendet worden sind.
Man vergesse nicht, dass die fünf Feldzeichen, wenn sie mit den drei Treffen zu-
sammengehören, keineswegs der ursprünglichen römischen Legion eigen sein können,
die die hastati, principes und triarii nicht gehabt hat, also die Institution der sechs
Tribüne wohl für die Führung der Treffen gedient haben kann, aber nicht daraus
erklärt werden darf.
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