Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Türmen und die dreissig Manipel der Legion in dieser Weise
operiren. Darum leuchtet auch ein, dass Polybios für die Schilde-
rung dieses Manövers, bei welchem allem Anschein nach die legio-
naren und die Auxiliarcohorten neben einander zur Verwendung
kamen, die cohors nicht entbehren konnte und daher sich veranlasst
fand den für seine allgemeine Darstellung überflüssigen Terminus
hier zu verwenden und zu erläutern10).

Trifft diese Auseinandersetzung das Richtige, so kann die
Stelle des Polybios nicht ferner als directes Zeugniss dafür gelten,
dass die cohors schon zu seiner Zeit aus drei Manipeln bestanden
habe; Polybios bezeichnet sie vielmehr lediglich als eine combinirte
Infanterietruppe ((TuviaYua tüjv Tre£ujv). Indirect freilich ergiebt sich
aus seiner Darstellung eben dasselbe, da sie nur verständlich ist,
wenn die drei hintereinander stehenden Manipel die für dies Manöver
zu Grande gelegte Einheit bilden. Ueberdies versteht es sich von
selbst, dass der älteren und der neueren cohors derselbe Begriff
beiwohnt und ihr Unterschied nur darin besteht, dass jene eine
ausserordentliche, diese eine ordentliche Formation ist.

Weiter folgt daraus, dass Domaszewski mit Unrecht die Ein-
führung der Cohorte als der ordentlichen Formation dem Marius
abgesprochen hat, weil bereits im jugurthinischen Krieg von cohortes
legionariae die Rede seiu); es hindert nichts diese ebenso aufzu-
fassen, wie die Cohorten in der Schlacht von Baecula.

Endlich giebt uns dieser Nachweis einen Einblick in die Bundes-
genossencohorte der Republik. Denn es liegt auf der Hand, dass
die ausserordentliche legionare Cohorte ihre Benennung nur dess-
wegen erhalten haben kann, weil sie der ordentlichen Auxiliarcohorte
wesentlich gleichartig war. Demnach war auch diese aus mehr oder
minder Schwerbewaffneten und Leichtgerüsteten zusammengesetzt.
Wenn Domaszewski (S. 16) Nissen in scharfer Weise tadelt, dass

lieh die der Bürgertruppen überstieg- (C. Mareks de alis Leipzig 1886 p. 23), also
im Grossen und Ganzen auch hier eine Cohorte auf eine Turme kam.

10) Nach Domaszewski's Auffassung (S. 18) stehen die drei cnreipcu, nach
ihm Manipel, in der gewöhnlichen Ordnung hinter einander und hinter diesen eben-
falls in drei Treffen die Reiterei; alsdann rückt jede dieser sechsgliedrigen Colonnen
einzeln gegen den Feind vor. Aber wie die Reiter dazu kommen, sich in drei
Treffen aufzustellen und vor jedem dazu noch die Velites, ist nicht abzusehen,
und der successive Anmarsch einzelner Abtheilungen von je 300 Mann eine militärisch
bedenkliche Conception. Vor allem aber kommen dabei auf drei Manipel drei
Türmen.

u) Sallust Jug. 51.
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