Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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römisches Gemeinwesen unter dem Namen municipium Aelium con-
stituirte.

Die dürftigen Spuren, welche die Inschriften von der Orga-
nisation dieses Gemeinwesens bieten, zeigen nur wenige eigentüm-
liche, von der gewöhnlichen Ordnung römischer Landstädte ver-
schiedene Züge. So finden wir curatores thermarum und es ist be-
kannt, dass heute noch auf dem Boden Carnuntums heisse Quellen
entspringen. Andererseits erhellt die Bedeutung der Veteranen in
dem Leben dieser Stadt aus der Thatsache, dass die Feuerwehr
ganz aus Veteranen gebildet war. Es ist das collegium veteranorum
centonariorum.

Unter Hadrian vollzog sich ein wichtiger Garnisonswechsel,
indem an die Stelle der XV. Legion die XIV Gemina Martia Victrix
trat. Eine erhöhte Bedeutung als Waffenplatz gewann Carnuntum
durch die Anlage eines Legionslagers in Brigetio (bei Komorn),
entsprechend dem Lager von Vindobona im Westen, so dass es nun
das Centrum der Vertheidigungslinie gegen die Quaden und Mar-
komannen bildete.

Auch der Nachfolger Hadrians, Antoninus Pius, scheint Car-
nuntum besucht zu haben. Wir besitzen aus seiner Regierungszeit
die in Italien gefundene Grabschrift eines Freigelassenen des kaiser-
lichen Hofstaates, in welcher Carnuntum als Ort seines Todes ge-
nannt wird. Wrenn wir aber sehen, dass Antoninus Pius auf Münzen
mit der Aufschrift rex Quadis datus gefeiert wird, wie er einem
Fürsten der Quaden, die in der Ebene an der Donau und March
Carnuntum gegenüber wohnten, die Hand reicht, so wird man aus
dem Zusammentreffen dieser beiden Thatsachen vielleicht schliessen
dürfen, dass der Ort, wo jene feierliche Ceremonie sich abspielte,
eben Carnuntum gewesen.

Als unter Marc Aurels Regierung die Barbaren von allen
Seiten in die Donauprovinzen einbrachen und bis Italien streiften,
so dass der Kaiser sich genöthigt sah, persönlich auf dem Kriegs-
schauplatze zu erscheinen und den Heeresbefehl zu übernehmen,
verweilte dieser während dreier Jahre in Carnuntum und leitete
von hier aus die Operationen der Armeen. In dem rauhen Waffen-
lärm des Feldlagers fand der Kaiser noch Müsse, seine bekannten
tiefsinnigen Selbstgespräche auszuarbeiten, deren zweiter Theil in
Carnuntum geschrieben ist.

Keine Inschrift, kein Denkmal irgend welcher Art hat sich
bisher in Carnuntum gefunden, das die Erinnerung an jene grosse
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