Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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neuerdings die schon früher ausgesprochene Meinung, dass man
es hier mit einem offenen, ungetheilten Räume von 41*85 M.
Länge und 37*85 M. Breite zu thun habe, der von einer Mauer
ringsumher begrenzt war. Der Raum (Taf. II u. III) war, wie aus
den Resten zu erkennen, mit Steinplatten gepflastert und mit Rinn-
steinen den Umfassungsmauern entlang versehen. In der südöst-
lichen Ecke desselben stiess man auf einen runden ausgemauerten
Brunnen von 0*9 M. lichter Weite. Die Ausräumung desselben
bis zur Tiefe von 4 Meter ergab keine bemerkenswerthen Resultate
oder Fundstücke. Nicht weit von diesem Brunnen gegen Westen
zu lag ein stark verstümmeltes dreieckiges Werkstück, auf dem
die sehr abgescheuerte Darstellung eines Bogenschützen und eines
grossen Kranzes mit Schleifen zu erkennen war. Die Südmauer
des Forums war mit zwölf Mauervorsprüngen versehen, welche
attische Basen trugen, somit die Annahme rechtfertigen, dass hier
eine reichere Säulen- und Gebälk-, vielleicht auch Bogenarchitektur
ausgeführt war. Für eine weitere Ergänzung dieser monumentalen
Anlage in Mitte des Lagers wurde die Aufdeckung einer Anzahl
Pfeiler, die parallel zur Süd- und Ostseite des Forums sich hin-
zogen, von Bedeutung. An der Südseite ziehen sich in der Ent-
fernung von 10*4 Meter von der Mauer sechs Pfeiler, an der Ost-
seite in der Entfernung von 5*45 M. sechzehn theils freistehende,
theils mit einer durchlaufenden Mauer verbundene Pfeiler hin. Es
ist wohl kein Zweifel, dass diese Pfeilerreihen in einem bestimmten
Bezug zum Forum standen und auf eine Halle rings um dasselbe
schliessen lassen. Leider fehlen die weiteren Pfeiler in der West-
hälfte der Südseite gänzlich, und es ist auch bei dieser Grabung
kein Stückchen des Aufbaues, kein Fragment irgend eines Ge-
simses, Capitäls oder Quaders gefunden worden, somit die Mög
lichkeit ausgeschlossen, irgend eine verlässliche Reconstruction vor-
nehmen zu können.

Die Aufdeckung jener Stelle an der Südwestseite des Forums^
wo am letzten Tage der Grabung des Jahres 1883 zwei Statuen
gefunden wurden (vergl. Studniczka in Jahrg. VIII dieser Zeitschrift
Taf. I. II S.59—74), hat die erwarteten weiteren Theile dieser Statuen,
namentlich die erhofften Köpfe derselben, nicht zu Tage gefördert
und überhaupt kein nennenswerthes Resultat gebracht. Es dürfte
demnach die Annahme nicht ausgeschlossen sein, dass diese Statuen
nicht an ursprünglicher Stelle gefunden wurden, sondern bei der

Archäologisch-epigraphiache Mitth. X 3
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