Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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gewaltigen Zerstörung, welche im Lager allerwärts platzgrifF, hierher
verschleppt wurden.

An der Südseite des Forums, ausserhalb der Säulenhalle,
stiessen wir auf eine Anzahl kleinerer Räume, welche theils mit
Hypokausten versehen waren, theils einfach betonirte Böden zeigten.
Diese Räume reihen sich den in früheren Jahren aufgedeckten, als
Lagerheiligthümer bezeichneten an. An der Nordseite des Forums
wurde ebenfalls ein Theil der ganzen Anlage, wie Alles nur als
Fundamentmauerwerk erhalten, aufgedeckt; es sind hier circa acht
kleine Räume, deren Anordnung im Bezüge zum Forum und mit
dem einen grossen Pfeiler die Anlage der Halle auch an dieser
Seite des Forums nicht ausschliesst. Im übrigen wurden nördlich
des Forums keine weiteren Mauerreste gefunden, da das Niveau
des Feldbodens hier bis auf die Sohle der Fundamentmauern reicht.

Nachdem die Umgebung des Forums biosgelegt war, wurden
die Arbeiten östlich von demselben fortgesetzt. Die beträchtliche
Erhöhung des Terrains liess hier auf besser erhaltene Baureste
schliessen und die Vermuthung war nicht unbegründet. Eine grosse
Zahl von Räumlichkeiten trat hier zu Tage. Gut erhaltene Fun-
damentmauern grenzen die Räume ab, lassen aber, da nur sehr
wenige Schwellensteine oder Thüröffnungen erhalten sind, den Zu-
sammenhang derselben nicht genau erkennen. Viele dieser Räume
waren mit Hypokausten versehen, die meisten aber unheizbar.

Besonders zu erwähnen ist, dass die ganze Anlage dieses
Theiles des Lagers grosse Regelmässigkeit zeigt. Die Mauerzüge
haben entweder die Richtung der Lang- oder Querachse des Lagers;
nur ein Raum ist vollständig schräg in die übrige Anlage hinein-
gestellt, liegt bedeutend tiefer als die übrigen, war über eine Stiege
zu betreten und scheint mit der sonstigen Disposition der Räume
in keinem Bezüge zu stehen. Würde die Construction der Um-
fassungsmauern desselben und die Betonirung seines Fussbodens
nicht dieselben Merkmale zeigen, wie sie allerwärts im Lager auf-
treten, so wäre man gewillt, diese Baulichkeit als eine in nachrömi-
scher Zeit ausgeführte zu betrachten.

Ueber die specielle Bestimmung aller hier aufgedeckten Räume
lässt sich ein Urtheil nicht abgeben, da keinerlei Anhaltspunkte
hierfür vorhanden sind und die reichlichen, aber nicht baulichen
Fundstücke darüber keinen Aufschluss geben, auch für die durch
die erhaltenen Basen bezeichnete, nach Süden gekehrte, siebensäulige
kleine Halle lässt sich keine Bestimmung angeben. Da aber auch
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