Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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ausserdem unmittelbar in Mitte und senkrecht auf diese Halle eine
Mauer gegen Süden abzweigt, scheint es sich hier um verschieden-
zeitige Anlagen zu handeln, welche in dem gegenwärtigen Zustande
der Erhaltung schwer von einander zu scheiden sind. Muss die
Fortsetzung der Grabungen allmälig erst grössere Klarheit in die
Anlage des Lagers bringen, so war hier doch neben der Aufdeckung
des Forums ein weiteres wichtiges Resultat gewonnen. Aus dem
beiliegenden Plane geht deutlich hervor, dass die zuletzt bespro-
chenen Räumlichkeiten an der Westseite durch eine Mauer gegen
das Forum scharf abgegrenzt sind. Ueber diese in südnördlicher
Richtung laufende Abschlussmauer reichen keine weiteren Quer-
mauern hinaus. In dem Zwischenraum zwischen dieser Mauer und
der Pfeilerstellung, an der Ostseite des Forums, haben die Son-
dirungsgräben nur auf Steinplatten geführt. Es liegt demnach die
Vermuthung nahe, dass hier zur Seite des Forums eine Strasse
lief und es wird die Aufgabe der weiteren Untersuchung sein, die
Strasse in südlicher Richtung zu verfolgen.

Gleichzeitig mit der früher besprochenen Grabung liess ich
südwestlich und in einer Entfernung von 600 Meter vom Lager auf
dem Acker des Herrn Matle eine probeweise Sondirung vornehmen.
Wir stiessen auf Mauerwerk, das ich in seinem vollen Umfange
bloslegen liess. Die beifolgende Tafel IV gibt Grundrisse und
Durchschnitte des Baurestes, der als Substruction eines Thurmes
bezeichnet werden darf. Die vier Umfassungsmauern bilden nahezu
ein Quadrat von 9 zu 9'1 Meter äusserer Seitenlänge. Der innere,
von diesen Mauern umschlossene Raum hat 3*3 zu 4*1 Meter
Ausdehnung. Die Mauern erheben sich bis nahe an das gegen-
wärtige Feldniveau und reichen 3'0 Meter in den Boden hinab
Im Aeusseren zieht sich ein wenig vorspringender Sockel von 0*75 M.
Höh e, im Inneren an der oberen Kante der Substruction eine ge-
simsartige Vorlage herum. Bemerkenswerth ist, dass sich die ge-
nauen Merkmale der Ausführung des Mauerwerkes erhalten haben.
Das Mauerwerk ist nämlich nicht aus Quadern oder Bruchsteinen
gebildet, sondern ein festes Gusswerk. Zur Ausführung desselben
wurden aussen und innen in der Flucht der Mauer und in be-
stimmten Abständen Holzbalken aufgestellt, welchen in horizontaler
Richtung Bretter der ganzen Höhe der Mauer nach vorgenagelt
waren. Als Pölzwerk gegen die zunächstliegenden Erdmassen waren
diese Holzwände mit schräggestellten Streben versehen. In diese so
gebildeten Kasten, welche genau den Dimensionen und Formen der

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