Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Archäologische Fragmente aus Bulgarien

(Tafel VI)

Ein fünfjähriger Aufenthalt in Bulgarien bot mir vielfach Ge-
legenheit, Materialien zur Kenntniss der Alterthümer des Haemus-
gebietes zu sammeln, vor Allem geographische Daten über alte
Castelle, Städte, Bergwerke und Strassen, sowie antike Inschriften,
die theils in abgelegenen Gegenden den bisherigen Untersuchungen
entgangen, theils bei verschiedenen neuen Bauten zum Vorschein
gekommen waren.

Vor einigen Jahren hatte ich die Ehre, einen kurzen Bericht
als „Beiträge zur antiken Geographie und Epigraphik von Bulgarien
und Rumelien" in den Monatsberichten der kgl. Akademie der
Wissenschaften zu Berlin zu veröffentlichen (Sitzung vom 12. Mai 1881
S. 434—469). Im Folgenden erlaube ich mir, einen Nachtrag dazu
zu liefern, der etwas umfangreicher ausfiel, da ich seitdem (besonders
1883 und 1884) den grössten Theil Bulgariens und Ostrumeliens
neuerdings durchwandert habe.

Das Hauptaugenmerk war auf die historische Geographie ge-
richtet, weshalb auf den folgenden Seiten auch manche mittelalter-
liche Denkmäler in Betracht gezogen wurden. Da es mir auf
Streifzügen durch das Land in der Regel nicht möglich war, einen
grösseren Apparat mitzuführen, kann ich bei Inschriften keine
Lesungen von Abklatschen oder Photographien bieten, sondern nur
Abschriften oder Zeichnungen, so genau sie mir möglich waren.

Die Abhandlung zerfällt in vier Theile: I. Dacia mediterranea,
II. Alte Bergwerke, III. Römische Strassen, IV. Das Pontusgebiet
und der östliche Haemus1).

I. Dacia mediterranea

Der Umfang der spätrömischen, gegen Ende des 3. Jahr-
hunderts errichteten Provinz Dacia mediterranea ist durch die An-
gabe des Hierocles (ed. Parthey p. 16) sichergestellt, denn die Lage
der fünf von ihm genannten Hauptorte derselben unterliegt keinem

*) Die bulgarischen Ortsnamen gebe ich in der in philologischen Schriften
üblichen genauen Transscription wieder (das cyrillische r& = engl, u in church,
but); bei manchen Namen ist auch der Accent angegeben, insbesondere wo der-
selbe nicht (wie es sonst im Westen des Sprachgebietes Regel ist) auf die dritt-
letzte Silbe fällt.
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