Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Zweifel: Serdica als un TpÖTToXic; (jetzt Sofia), Pautalia (Küstendil),
Germania (Banja bei Dupnica, wie ich näher darlegen werde),
Naissus (Nis) und Remesiana (Bela Palanka zwischen Nis und
Pirot). Sie urafasste demnach die Kreise von Sofia, Küstendil und
Trn des heutigen Fürstenthums Bulgarien, sowie den grössten Theil
der neuen (seit 1878) Bezirke des Königreiches Serbien.

Die Provinz in dieser Ausdehnung bestand indessen aus zwei
geographisch und ethnographisch verschiedenen Theilen. Der Norden
mit Naissus und Remesiana war ursprünglich ein Theil von M oesia
superior und gehörte, wie die Inschriften zeigen, ebenso wie das
angrenzende Dardanien, ganz in den Bereich der aus Dalmatien und
aus den Militärcolonien an der Donau vordringenden lateinischen
Sprache. Der Süden, Serdica und Pautalia, erscheint bei Ptolemaeus
sowie auf den Münzen des 2. und 3. Jahrh, als Theil der Provinz
Thracia und war vorwiegend griechisch; die letzten Spuren des
Hellenismus reichen bis an die Wasserscheide zwischen dem Strymon
und Oescus einerseits und dem Margus andererseits.

Es ist ein Gebirgsland, dessen Gipfel zu den höchsten der
Halbinsel gehören (Ryla an 3000 M., Vitosa2) an 2300 M., Osogov
an 2200 M., Ruj an 1750 M., dazu die Balkangipfel Murgas, Kom
u. s. w.). Zwischen den Gebirgszügen liegen zahlreiche alluviale,
wohl bebaute und gut bewohnte Rundbecken von verschiedener
Grösse, in welchen sich das alte und neue Culturleben concentrirte.
Charakteristisch sind die vielen heissen Quellen, die z. B. in Serdica,
Pautalia und Germania in das Weichbild der Städte einbezogen
waren und bei Naissus von der Stadtmauer nur wenig entfernt
blieben.

Im Folgenden will ich einige Bemerkungen über die Alter-
thümer der Landschaften von Serdica, Pautalia und Germania,
sowie der umliegenden Bergthäler vorlegen. Die Ueberreste der
übrigen beiden Hauptorte Naissus und Remesiana nebst den um-
liegenden Gauen und den Städten des benachbarten Dardaniens
sind jüngst von Arthur J. Evans untersucht und ausführlich be-
schrieben worden3).

2) ßyla und Vitosa (fem.) lauten die landesüblichen Formen; Ryl, ßylo,
Vitos (masc.) der Karten und Bücher sind nicht richtig-.

3) Evans Antiquarian Researches in Illyricum, Parts III u. IV. Westminster
1885 (Archaeologia Bd. 49). Von besonderem Interesse ist darin die Beschreibung
der Denkmäler des alten Scupi (Dorf Zlokucan, V/2 engl. Meilen gegen NW. von
dem mittelalterlichen und jetzigen Skopje), dessen Inschriften sämmtlich lateinisch sind.
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