Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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mit einem etwas zugespitzten Ziegeldach, ganz aus flachen, 4 Cm.
dicken, gut gebrannten Backsteinen aufgeführt; die 1*45 M. dicke
Mauer ist durch acht kleine, sehr hoch liegende Bogenfenster
durchbrochen. Das Innere, oberhalb der Fenster leicht überwölbt,
ist kreisrund, durch eine Altarnische und drei Thüren symmetrisch
in vier Segmente getheilt und hat 9*2 M. im Durchmesser. Der
hölzerne Fussboden liegt, wie bei allen alten Kirchen von Sofia,
in Folge der durch Jahrhunderte fortgesetzten Anhäufung des
Schuttes an 1*5 M. tiefer als das jetzige Niveau des umliegenden
Hofraumes, ist aber erst neuerdings über dem ursprünglichen Pflaster
hergestellt worden. Die gesammte Mauerfläche war vor Zeiten
bis zur Wölbung hinauf mit Fresken bedeckt; zwischen dem ab-
fallenden türkischen Mörtel kommen überall Reste derselben zum
Vorschein. Ausserdem sieht man über dem Altare Stücke altslavi-
scher Aufschriften und unterhalb der Fenster die Spur einer ein-
zeiligen, in Gürtelform ringsherum geführten griechischen Inschrift,
von der die Worte: zujrPA«i>8NTOC, gegenüber npocKVNerriKON (Ttpocr-
Kuvnrnpiov). . . cvNerPA4>... apxant . . . lesbar sind. Der Thurm selbst
ist von einem modernen, aber bereits ganz morschen, niedrigen,
türkischen Corridorbau umfasst, an den sich der Stumpf eines
herabgestürzten Minarets anlehnt. Diese merkwürdige Rundkirche
im Centrum des alten Serdica ist jedenfalls das älteste christliche
Bauwerk auf dem Boden Bulgariens. Sie war dem heil. Georg
geweiht und wird 1469 als Metropolitankirche von Sofia erwähnt.
Die Türken setzten sich erst unter Sultan Selim I. (1512—1520)
in deren Besitz, als man den Christen die grösseren steinernen
Kirchen in den Städten überall wegnahm. Der Tübinger Reisende
Gerlach (1578) gibt von ihr eine ganz gute Beschreibung5). Gegen-
wärtig enthält die „Güldzami" das Magazin des bulgarischen ober-
sten Sanitätsrathes. Es wäre wohl am Platze, den ehrwürdigen
Bau seiner Bestimmung wiederzugeben und bei dieser Gelegenheit
die alten Fresken und Inschriften blosszulegen, aber die Zeit dazu
scheint noch nicht gekommen zu sein.

5) „Bey unserm Hause stehet ein hoher runder Thurm, den die Bulgaren
noch vor 40 Jahren zu einer Kirchen gehabt, aber die Türcken haben solchen
ihnen genommen, und eine Meschit oder türckische Kirchen daraus gemacht."
Stephan Gerlachs des Aelteren Tagebuch der von zween glorwürdigsten röm.
Kaysern Maximilian und Rudolpho II. etc. an die ottomanische Pforte abgefertigten
etc. Gesandtschaft (1573—1578), Frankfurt 1674 S. 521.
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