Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Kaisers Valentinianus zu sehen bekam. In dem in einer herrliehen
Waldschlucht zwischen gewaltigen Felswänden verborgenen Kloster
des St. Johannes Bogoslov (Theologos) bei Poganovo zeigte mir
der Mönch eine ganze Münzsammlung, ausgegraben im Kloster-
garten, hart am Flusse, darunter eine Silbermünze von Julius Caesar
(mit einem Elefanten) und Kupfermünzen von Aurelian, Constantin,
Justinian u. s. w., sowie eine römische Silbermünze mit Quadriga
aus dem nahen, jenseits einer wilden Felsschlucht etwas weiter fluss-
abwärts gelegenen Dorfe Vlasi. Flussaufwärts oberhalb des Klosters
liegen bei den Dörfern Zvonci und Odörovci die Ruinen einer
Burg (Jasenovo Kaie), eines Klosters, einer Brücke (Koväcev most),
Reste eines Pflasterweges über eine Wiese; dabei befindet sich eine
offene warme Quelle von 24° R. ohne Gebäude, und ringsherum
wurden römische Münzen gefunden11). Noch weiter flussaufwärts,
eine halbe Stunde vor Trn, steht am linken Ufer hoch oben im
Walde ein ähnliches Klösterlein Sveti Rangel (d. h. Archangel).
Gegenüber am rechten Ufer liegt an der Thallehne eine Localität
Pres toi (slav. Thron) in dem Gebiete des Dorfes Lomnica. Neben
einem alten Kreuz aus Travertin steht dort umgestürzt aufgestellt
ein viereckiger antiker Altarstein, 95 Cm. hoch und 40 Cm. breit,
mit Blattverzierungen am oberen Rande, und einer wegen der ver-
kehrten Lage und allerlei Kritzeleien nicht leicht lesbaren Inschrift:

SANCTO
CASE BONO
SACRVM

PROSALVTE (?)
5 MANTONINVS (?)
F E L I C I S S I MVS
IIB 12)

Das Städtchen Trn, in einem engen Bergkessel gelegen, ent-
hält nichts Alterthümliches. Eine halbe Stunde westlich öffnet sich

") Die sehr schwierige Flussstrecke Poganovo - St. Rangel habe ich leider
selbst nicht gesehen. Zvonci erinnert an Ißeveax£o<; neben ZÜKoßo«; unter den
Kirchen der Diöcese von Sofia im Chrysobull des Kaisers Basilios II. vom J. 1019
(—tZoc, bei Tomaschek, Zur Kunde der Haemushalbinsel, Wien 1882 p. 28; Golu-
binski's Ausgabe hat —iros).

1J) [Vgl. zu Z. 2 das Castell Kacfißöviuv bei Procop de aedif. 4, 11 p. 306,
13 ed. Bonn. — In den letzten Zeilen stand vielleicht: [i"]wi[jp.] Antonin[i] v{otum)
s(oh)ü) Felicissimus [l]ib(ertus), — Der Verfasser schreibt jetzt, dass er in seinem
Tagebuch Z. 5 so notirt habe: MANTONIUVFI, eher MANTONINVS. E. B.]
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