Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Ausser den Tumuli gibt es in Znepolje noch andere Alter-
thümer: eine Burgstätte bei dem Dorfe Zelenigrad (slav. „grüne
Burg") an dem Südhang des Ruj, daneben ein ruinirtes Kloster bei
dem Dorfe Zabel, Spuren einer alten Ansiedelung mit Ziegelfrag-
menten bei dem Dorfe Miloslavci, wo ich eine glatte Säule be-
merkte. Das alte Centrum der Landschaft lag aber gerade in der
Mitte des Bassins, bei Jarlovci: eine vorspringende flache, jetzt
kahle Terrasse, die von der Südseite hervortretend das Thal etwas
einengt, und darauf ein weiter Castellplatz, auf welchem beim Ackern
Ziegel, Kellerräume, römische und byzantinische Münzen (kupferne
nummi scyphati der Komnenenzeit) gefunden werden. Ich hörte
auch von ausgeackerten Pfeilspitzen und einem geraden Schwert.
Diese Burgstelle heisst Zemun, nicht zu verwechseln mit der Ruine
Zürnen an der Struma bei Küstendil, und die Sage erzählt, es hätten
hier einst „Latini" gewohnt, die später die Stadt Zemun (Semlin)
gegenüber Belgrad gegründet haben sollen, offenbar nur eine der
vielen volksthümlichen Etymologien aus Namensähnlichkeit. Südlich
davon liegt im Gebirge auf dem Wege zur Struma das Dorf Go-
racevci, wo man jüngst ein kleines Basrelief mit der Inschrift
kypia hpa, nebst Kupfermünzen von Constantin, Licinius, Silber-
münzen von Valens u. A. auffand. In Trn zeigte man mir drei
alte Silberstücke von Dyrrhachion, die aus einem Funde irgendwo
in der Gegend von Breznik stammten15), und die bekannten Silber-
münzen von Thasos. Ob Spuren alten Strassenpflasters vorhanden
seien, habe ich im Znepolje nicht in Erfahrung gebracht

Südöstlich von der Landschaft von Trn liegt ein zweites, von
Gebirgen umschlossenes Bassin bei Breznik, schon zum Struma-
gebiet gehörig, ein kahler waldloser Kessel zwischen niederen
Bergen. Die Landschaft heisst von altersher Grachovo („Gra-
chouo polle" des Kuripesic 1530). Ein besonderes Interesse haben
die Reste alter Bergwerke bei der Stadt Breznik selbst, die ich
weiter unten näher besprechen werde.

Türckischen Kayser Soleyman. Anno XXX. MDXXXI (von Benedict Curipeschitz
von Obernburg).

15) Diese drei Typen sind folgende, sämmtlich mit Kuh und Kalb auf dem
Avers und dem bekannten Viereck auf dem Eevers: 1) eynoyz oberhalb der säu-
genden Gruppe, R.: ringsherum ayp - xai - pia - aoy ; 2) maxataz, R.: ayp-
api2t- . . . -xoy ; 3) kaex1; R.: ayp-ünos. Der Fundort selbst ist
mir leider nicht bekannt.
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