Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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An der hohen'Ljubasa, zwischen den Dörfern Krivonös und
Ljälinci, soll sich eine Castellruine befinden. Einige alte Reste
liegen in der nahen Landschaft Burel, welche zwanzig Dörfer16)
zwischen der Brusnicka Planina (nördlich von Breznik) und den
Strassen Sofia-Pirot und Trn-Pirot, also das Quellgebiet der Luka-
vica umfasst: ein Gebäude aus grossen Ziegeln mit zwei Säulen in
Nesla, eine Burgruine auf einem hohen Hügel bei Grurguljat
oder Bratuskovo u. s. w.17).

An dem oberen Lauf der Struma, südlich von Breznik, sind
ältere Baureste sehr spärlich. Ein mittelalterlicher Waffenplatz
von grosser Bedeutung ist die in byzantinischen und slavischen
Quellen des 11. und 12. Jahrhunderts öfters genannte Burg Pernik
bei dem gleichnamigen Dorf an der jetzigen Grenze der Kreise von
Sofia und Küstendil. Zwischen der in Felsen eingeklemmten Struma
und dem tiefen Einschnitt der Strasse liegen dort auf einem flachen
Plateau die Rudimente einer weiten, aus Flussgeröll mit rohem
Mörtel hergestellten Umfassungsmauer mit zahlreichen Ziegelfrag-
menten. Die Bauern nennen die Ruine auch „Perin grad". Etwas
weiter oberhalb befindet sich im Dorfe Cerkva eine griechische
Inschrift18).

In dem Becken von Radomir, einem alten, zum Theil sumpfigen
Seeboden von ungefähr 25 Kilom. Länge und 15 Kilom. Breite
(Seehöhe an 630 M.), hält sich noch der alte Landschaftsname
Mraka (fem.) 19). Derselbe gilt jedoch nur für die Ufer der Struma,
während das Innere des Beckens einfach „pole-to" (das Feld) ge-
nannt wird. An den Lauf der Struma halten sich auch die wenigen
Spuren der Vorzeit, die mir hier bekannt sind; im Inneren des
Beckens bemerkt man nur zahlreiche kleine Tumuli derselben Art,
wie in dem Bassin von Sofia und von Dupnica. Radomir selbst
ist eine dorfartige Ansiedelung von jüngerem Datum, zuerst bei
Hadzi Chalfa im 17. Jahrhundert genannt. Bei dem nahen Dorfe
Vrba ragen auf einer Wiese neben der neuen Strasse zwei räthsel-

16) Nedeliste, Nesla, Järlovci, Cörul, Cacürovci u. s. w.

17) Zwischen Caribrod und Vrabca soll es an einem Orte, Kavaei (türk.
„Pappeln") genannt, „lateinische beschriebene Steine" geben, worüber ich leider
nichts Näheres berichten kann.

18) Vgl. Monatsber. der Berl. Akad. 1881 S. 467.

19) Mraka, Izvori, Zemltn u. s. w. 1330 bei dem serbischen Erzbischof
Daniel, ed. Danicic p. 193 (s. meine Gesch. der Bulgaren p. 295).
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