Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Krajiste im Norden, Kamenica im Westen, Pijanec im Süd-
osten haben wieder ein kälteres Gebirgsklima.

Am Südrand des Beckens liegt (an 560 M. hoch) die Stadt
Küstendil, von den Bauern der Umgebung meist nur Banja
(der bulg. Name für Bad, Therme überhaupt, von lat. balnea) oder
höchstens Küstendilska Banja (Einwohner Bancenin) genannt;
sie zählte im Jahre 1881 1827 Häuser mit 9589 Einwohnern (davon
1572 Türken und 959 spanische Juden). Ihre rothen Dächer mit
vielen weissen Minarets, zwei grauen alten Thürmen und dem dichten
Laub der Stadtgärten liegen gerade vor den Abhängen des mit
Wiesen, Weingärten und Wäldern bedeckten Osogov. Ein leichter
bläulicher Dampf, der vor Sonne und vor Regen nicht zurückweicht,
kleidet das schöne Bild bei jeder Beleuchtung in eine eigenthüm-
liche Farbe. Die Stadt ist überragt von einem oben abgeplatteten,
sehr steil abfallenden, an 100 Meter hohen Gebirgsvorsprung. Das
ist der Hissarlyk mit den Resten einer Akropole von ungefähr
200 Schritt im Durchmesser; man erkennt noch die Fundamente
einer Umfassungsmauer von Stein und Ziegeln, die Stelle eines
Kirchleins in der Mitte und die Substructionen eines Thores an
dem Schlossgraben auf der Südseite, gegen das Gebirge zu. Der
ganze, jetzt von Nussbäumen, Pflaumen, Weichsein und Mispeln
beschattete Raum birgt ausserdem zwischen dem hohen Grase eine
Unzahl Stein- und Ziegelsplitter. Die Aussicht ist grossartig: unten
die Stadt in der Vogelperspective, weiter das ganze Becken mit
seinen Dörfern, Gärten und Fluren, mit den glänzenden Windungen
der Struma im Hintergrund, im Süden der hohe Osogov mit seinen
Wäldern, gegen Südost die gewaltigen Massen des Rylagebirges
und zuletzt in der Ferne die majestätische spitze Schneekuppe der
Perin Planina, des alten Orbelus.

Das Innere der Stadt mit seinen unebenen und engen Gassen
zwischen traurigen Hofmauern und unansehnlichen Lehm- und Holz-
häusern enttäuscht wie jede orientalische Stadt. Die Hauptmerk-
würdigkeit sind die warmen Quellen, welche nur an 20—30 Meter
von dem Fusse des steilen Schlossberges aus acht Schlünden ent-
springen, die meist mit grossen, stets heissen Steinblöcken zugedeckt
sind. Nach Abwälzung der Blöcke, wobei dichte Dampfwolken mit
starkem Schwefelgeruch aufstiegen, massen wir die höchste Tempe-
ratur auf 74—75° (X Zur Mischung mit kaltem Wasser dient eine
Quellenleitung in thönernen Röhren, deren Anfang 3 Stunden süd-
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