Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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lieh im Gebirge bei dem Dorfe Atkoria (türk. „Rosswald") liegt
und die durch das Weichbild der alten Akropole selbst in die Stadt
herabsteigt. Ihre Errichtung wird einem Suleiman Pascha vor
400 Jahren und einem Mehmed Aga zugeschrieben, aber dies kann
auch nur eine türkische Renovirung eines älteren Werkes gewesen
sein. Durch dieses kalte Quellenwasser gemildert, speist die Therme
acht Badehäuser und einige Waschplätze. Ein schwefelhaltiger
unangenehmer Geruch herrscht überall in der Umgebung der Bäder
und der Leitungen. Auf den Gassen sieht man selbst im Sommer
in kühlen ^Morgenstunden nicht selten die warmen Dämpfe zwischen
dem groben Strassenpflaster wie aus einem vulkanischen Boden
stossweise emporsteigen. Aus der Stadt fliesst das Thermenwasser
gegen Nordost in die Banstica ab und dient dort auf den Wiesen
noch zur Hanfreinigung. Erwähnenswerth ist die abergläubische
Furcht der Einwohner, die Quellen könnten einmal stärker hervor-
brechen und sich mit einer siedend warmen Ueberschwemmung über
die Stadt ergiessen. Erdbeben sind hier, wie in Sofia, allerdings
nicht selten.

Küstendil liegt an der Stelle der römischen Stadt Pautalia,
Ulpia Pautalia oder Pautalia Aurelii. Die alten Zeugnisse über
deren Lage und Geschichte sind neuerdings von W. Tomaschek in
einer erschöpfenden Zusammenstellung trefflich erläutert worden24).
Darunter verdienen eine besondere Beachtung die mannigfaltigen
Producte der Münzstätte OuA/rriac; TTauraMac; oder TTauTaXiuuTuJV aus
den Zeiten von Hadrian bis Gordian, besonders diejenigen mit den
Emblemen und Aufschriften der hiesigen Erzeugnisse: ßöipuc;, ap-
Yupoq, xputfo*»/ CTTOIXUS/ sowie eine Münze des Kaisers Caracalla mit
fünf Tempeln, einem des hier viel verehrten Gottes Asklepios auf
dem Gipfel eines bewaldeten Berges, einem zweiten am Fusse des-
selben und drei anderen in der Runde, ebenfalls den drei Heilgott-
heiten Asklepios, Hygieia und Telesphoros geweiht. Der obere
Tempel stand wohl auf der Akropole von Pautalia, die übrigen
unten am Fusse, wo die Heilquellen entspringen. In den Denk-
mälern des 11. — 14. Jahrhunderts erscheint die Stadt unter dem
slavischen Namen Velbuzd, im 15. und 16. Jahrhundert als Vel-
buska Banja (oder Belbuska B., mit dem serbischen Laut-

,J4) W. Tomaschek, Zur Kunde der Haemushalbinsel, Wien 1882 (Sitz.-Ber.
der kais. Akad. d. Wiss. XCIX S. 437), Cap. II, Notizen über Pautalia oder das
heutige Küstendil in Bulgarien, S. 13—32.
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