Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 66
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In der Umgebung der Stadt fehlt es gleichfalls nicht an In-
schriftsteinen. Südlich sollen im Gebirge bei dem Dorfe Atkoria,
wo die kalte Wasserleitung beginnt, einige grosse Inschriften vor-
handen sein, welche die abergläubischen Bauern jedoch allen Er-
kundigungen zum Trotz sehr geheim halten. In dem Dorfe Kolusa,
eine Viertelstunde gegen SW. von der Stadt, gibt es eine mittel-
alterliche St. Georgskirche, bei welcher auf dem Hofe eine arg ver-
wischte, 7 Zeilen lange griechische Inschrift liegt, die ich leider
nur einmal vor Jahren bei strömendem Regen gesehen habe. Im
Dorfe Lozno, eine Stunde gegen NW. von Küstendil, befindet sich
eine grosse Inschrift; eine Copie erhielt ich von dem Herrn Archi-
mandriten Ilia Nikolov, konnte aber dieselbe leider nicht selbst
collationiren. Ich wage es dennoch, dieselbe abzudrucken:

N H O HC UC N0YO€NTAC€AGMArOTO. ..
. . .A©ANATOBC^AKAPeCON6XUUN06O. . . H 0 € A © . . .
...rOYTOA6TN-IAIBATOlOnPOACT60CHNXC6M6PrON..,
. . .KYAICUlNTGI'h. . .AI. . .AOPIC06N U) N PBACI AHUU N. . .
....U...N5AKeNAeT. .OCATKTONGXOinerUUneANHCN. . o
. . .tYXHGnHNOOtf'l^IGTOYTeAOCM^IKAAY. .HA. . 3°a)

30a

[Nrjoüc |u£v Guöevrac; ebeijuaTO.....

äGavdxotc; |uaKdpeaatv äx^v 6eoTrei0ea Guuöv
touto ö' £tt' f)\ißdToto upö äaxeoc; rjvuaev epYOV,
Kubiaxujv TGixi(?|ua bopiaGeveuuv ßaai\r|UJv,
5 öcppa kgv daxuqpeXiKTov ex01 TrepiujTr^a vrjöv
tjjuxri, eTrr^v luoipn, ßiöxou rikoc, qiMp\Ka\ü\\ir\.

So dürfte das interessante Epigramm gelautet haben, von welchem man
wohl eine genauere Abschrift, wenn nicht einen Abklatsch zu besitzen wünschte.
An der Herstellung haben Benndorf und Dr Szanto sich betheiligt. Ein vielver-
mügender Mann — denn nur auf einen solchen kann V. 1 gehen — hat (so ver-
stehe ich V. 3—5) ein altes Gemäuer auf steiler Felshöhe, dessen Erbauung ruhm-
reichen Herrschern der Vorzeit zugeschrieben ward, zur Grabkammer umgestaltet
Die Bezeichnung einer solchen als vrjöc; der Seele, die hier durch den Gegensatz
zu den in Z. 1 erwähnten vrjoi besonders nahegelegt ist, findet an Einigem, was
Kaibel's Index s. v. bietet, eine Stütze. Das Wort TrepiUJTrr]^ war bisher nicht nachzu-
weisen, da Orphica, Argon. 48 dieses von den Handschriften dargebotene Epitheton
des Eros mit Recht von Ruhnken, G. Hermann und neuestens von Abel als verderbt
bezeichnet worden ist. Ob ich V. 6 mit |iioipr] 'nach Schicksalsschluss' das Rich-
tige getroffen, steht dahin,- ein Objects-Accusativ zu djuqpiKa\üipri ist jedenfalls
entbehrlich, da sich derselbe aus dem Zusammenhang nicht minder leicht ergänzen
lässt als etwa TT 350: GcxvdTOU b£ (ueXav v^cpo«; d)H(peKdXui|jev. Th. Gomperz.]
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