Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 78
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Spuren eines Schmelzofens mit einem grossen Kreis von Silber,
Blei und Kupfer enthaltenden Schlacken sichtbar sind. Von dort
führte ein jetzt mit Bäumen und Gestrüpp überwachsener Weg
über die Dörfer Atkoria und Bogoslov gerade nach Küstendil. Die
Einwohner der nahen Ortschaften besitzen keine Sagen, die über
den Zeitpunkt des Betriebes dieser Werke Aufschluss geben könnten,
und auch die Bäume, die jetzt auf den Fundamenten einer kleinen
Hausruine bei jenen Schachten wuchern, sind keineswegs jung. Die
alten Minen der Pautalioten sind gewiss schon lange eingegangen 55).

Jenseits des Osogov liegt auf der entgegengesetzten Südseite
des Rujen auf türkischem Boden das Dorf Sase (120 Häuser) mit
einem verfallenen Bergwerk. Einige Stunden weiter gegen Westen
beginnen die Blei-, Kupfer- und Silberminen von Kratovo, deren
allerdings primitiver Betrieb erst vor wenigen Jahren ins Stocken
gerathen ist. Die Localität und der Betrieb der Minen ist von
Boue ausführlich beschrieben worden. Kratovo selbst (620 Häuser
mit ungefähr 6000 Einw.) liegt in einem engen heissen Thalkessel
zwischen abgeholzten Trachytfelsen, hat zahlreiche mittelalterliche
Thürme, Brücken und Kirchen und soll ganz von tiefen „Kellern"
und Gängen unterminirt sein. In der Geschichte erscheint es erst
im 14. Jahrhundert und war auch in der älteren Türkenzeit ein
wichtiger Punkt. Ueber die ältere Vergangenheit der Bergwerke
von Kratovo ist leider nichts Näheres bekannt. Antike Inschriften
soll es dort nicht geben; dagegen zeigte mir ein Kratover eine
daselbst gefundene Münze Kaiser Domitian's, welche für das Alter
der Ansiedelung und wohl auch des Bergbaues zu sprechen scheint.

Alte verfallene Bergwerke liegen auch in der nördlich von
Küstendil sich ausbreitenden Gebirgslandschaft Krajiste. Ich
habe diesen geographisch nur wenig bekannten Winkel am Triflnium
zwischen Bulgarien, Serbien und der Türkei zweimal besucht. Der
alte Hauptort war das jetzige, noch immer ansehnliche Dorf Bo-
silov grad (oder Bosiligrad) an dem Hauptflusse des Gebietes,
der Dragovistica, mit den Resten eines Castells, in denen grosse
Zrdene Gefässe gefunden wurden, und den Spuren eines alten
Marktes am Fusse des Schlossberges. In der Ortskirche befand

55) Eine bergmännische Beschreibung dieser Stelle von Zlatarski in der
Ztschr. der bulg-. lit. Gesellsch. zu Sofia 1885, XVII 191 sq. (bulg.) — Hadzi
Chalfa's Nachricht kann sich auch auf das Bergwerk von Sase beziehen und
nicht auf das am Srebrno Kolo, welches, wie es scheint, früher verfallen ist.
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