Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 79
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sich ein grosser, dicht beschriebener „lateinischer" Stein, wurde
aber 1878 auf Anrathen irgend eines Ignoranten aus Aberglauben
abgeschliffen. Das jetzige administrative Centrum des hiesigen
Bezirks liegt eine Stunde östlich im Dorf Izvor, in dessen
Nähe sich die Rudimente einer kleinen, angeblich Slaviste ge-
nannten Burg befinden. Von Izvor führt ein alter Pfad über das
Dorf Trekljeno, wo gleichfalls alte Mauern und Gefässe gefunden
wurden, über den oben erwähnten Fundort Goracevci in das
Thal von Trn. Nordwestlich von Bosiligrad liegen am Trifinium
bei dem Dorfe Ljubäta die Stollen eines alten Silberbergwerks,
„srebrni dupki" (Silberlöcher) genannt, mit Resten alter Gebäude;
nach Herrn Zlatarski soll das Erz, wie im Osogov, silberhaltigen
Galenit, Pyrit und Chalkopyrit enthalten. Jenseits der Grenze
finden sich in Serbien Reste eines grossen Blei- und Silberberg-
werkes bei dem Dorfe Rupje, im Bezirk von Vlasotinci, mit vielen
Schachten und der Ruine eines Hammerwerkes. In dem Quell-
gebiet der Dragovistica liegen sodann, nördlich von Izvor, die erst
seit ungefähr 30 Jahren eingegangenen grossen Eisenwerke von
Bozica, die sich jenseits des Grenzgebirges auch auf der serbi-
schen Seite in den Umgebungen des Sumpfsee's von Vlasina und
in den Thälern der Vrla Reka und der Masurica im Kreis von
Vranja weit und breit fortsetzen56). Das sind die von Hadzi
Chalfa im 17. Jahrhundert erwähnten „berühmten Eisengruben von
Olassina (sie), die unvergleichliche Aexte und Waffen liefern"57).
Das zu Bozica gewonnene Eisen wurde in dem Orte selbst in
Hammerwerken verarbeitet und sodann in Stäben meist nach Egri
Palanka geführt. Die Gewinnung selbst war ganz primitiv: der
verwitterte Magneteisensand wurde gewaschen, in derselben Art,
wie man es bei der auch im Krajiste (bei Bozica, Ujno u. s. w.)
früher sehr eifrig betriebenen Goldwäscherei machte.

Jetzt ist eine solche Eisensandwäscherei in Bulgarien nur in
Samokov an der Nordseite des Rylagebirges in Betrieb, wo sie
von vielen Reisenden (Boue, Hochstetter u. A.) gesehen und be-
schrieben wurde. Diese höchst einfache Industrie, jedenfalls uralten

56) Ueber diese Bergwerke auf serbischem Boden, jetzt sämmtlich eingegangen,
vgl. Zujevic, Materialien zur Geologie des Kgr. Serbien im „Glasnik" Bd. 55 (1884)
184 und Milicevic, Kraljevina Srbija, Belgrad 1884 S. 15 (Rupje) und 281—3 (Kreis
von Vranja).

57) Kumeli und Bosna, übers, von Hammer S. 94.
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