Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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kennt daselbst „an einigen Orten" des stets schneebedeckten wald-
reichen Berges von Dupnica (d. h. der Ryla) „Stahlminen" G3) und
die Werke von Ryla sollen erst seit 100 Jahren aufgegeben sein.
Unmittelbar daran schliesst sich der Minendistrict von S a m o k o v
am oberen Isker an, dessen Hammerwerke bis in das Quellgebiel
der Marica hinüberreichen. Samokov selbst hat ausser einigen
Tumuli nichts Antikes aufzuweisen. Sein Gebiet erstreckt sich bis
an die Vitosa bei Sofia; die letzten Schlacken sieht man bei Vla-
daja und bei Grublj ane in der nächsten Umgebung der bulgari-
schen Hauptstadt. Der Betrieb der Werke von Samokov ist jedoch
in den letzten Jahren in Folge der Concurrenz ausländischen Eisens
fast am Erlöschen. Die Eisenarbeiter kommen zum Theil bis aus
Boziea und anderen umliegenden Dörfern, besonders seitdem die
dortigen Eisengruben verfallen sind. Noch weiter östlich liegt am
Nordfuss der Rhodope das Städtchen Pestera mit ausgedehnten
Ueberresten von ähnlichen Eisenwäschereien, deren Betrieb erst um
1850 eingestellt wurde. Eisenschlacken findet man auch im Innern
der Rhodope, im Hochgebirge zwischen Batak und Nevrokop (auf
der Höhe Beglik am Passe Tas-boaz64), bei den Hans von
Dospad u. s. w.) und endlich in der Umgebung der Stadt Nevro-
kop selbst, des alten Nicopolis ad Nestum. Die Metallurgie ist
noch jetzt eine Hauptbeschäftigung der Einwohner des Mestathales.
Die Einwohner der Landschaft R a z 1 o g im Quellgebiet der Mesta
sind Kupferschmiede und arbeiten primitive Ringe, Kreuze, Ohr-
gehänge u. s. w„, z. B. für die Wallfahrer des Rylaklosters; eine
ähnliche Bronze- und Messingindustrie betreiben auch ihre Nachbarn
in Bei ovo an den Maricaqu eilen. Die Bewohner des Kreises
von Nevrokop an der mittleren Mesta, besonders der felsigen
und waldigen Theile desselben (Dorf Skrebatno, Baldevo u. s. w.)
sind heute Goldwäscher koit5 eHoxnv und trieben bis zu den grossen
ökonomischen und politischen Umwälzungen des letzten russisch-
türkischen Krieges ihr Gewerbe fast in ganz Bulgarien, Rumelien
und Makedonien. Man fand sie jeden Sommer im Balkan bei Kotel,
an der Arda in der Rhodope, an der Topolnica in der Sredna Gora,
an der Palagaria an der Südseite der Vitosa, in den Kreisen von

63) Rumeli und Bosna S. 89.

64) Mines de fer sur la route de Nevrokop a> Despot-Jailalc erwähnt auch Boue,
Turquie d'Europe I 377. Minerais de fer au plateau de Be'ilik bei Boue's Reise-
begleiter Viquesnel, Voyage dans la Turquie d'Europe, Paris 1868, II 365.
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