Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 88
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1886/0098
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
Am Oescus scheinen auch antike Ansiedelungen mit steinernen
Gebäuden bestanden zu haben ; deren Material ist aber längst zum
Bau der vielen kleinen Klöster auf den Abhängen rings um das
Becken von Sofia herum verschleppt worden, sowie zur Errichtung
der monumentalen türkischen Herberge von Jenih an (oderNovi-
han), die, obwohl erst 1670 errichtet, jetzt nur mehr als klägliche
Ruine dasteht. Ornamentirte Steine, Säulencapitäle u. s. w. finden
sich in Kazicane; auf dem Hofe der Ortskirche liegt jetzt auch
eine neulateinische Inschrift, der Grabstein eines ragusanischen
Kaufmanns des 16. Jahrhunderts , wahrscheinlich von Sofia hieher
verschleppt, 0 60 h., 0'40 br. (Copie des Herrn Prosek):

hic • iacet ■ se pult

vs - nicolavs! Geo
r g iv s • civi sj Ragus
I N 9 QJVI VIX Ii ^ annos
5 x x I v o h //// //// .... ann
o domini m
O die xv

An der Wasserscheide zwischen dem Isker und der Marica
(840 M. Seehöhe) streift die Strasse die weit zersprengten Häuser-
gruppen des Dorfes Vakarel, das im 16. und 17. Jahrhundert
auch als Bela crkva (slav. „weisse Kirche") oder türkisch Ala-
klissc, Aladzaklissc erwähnt wird7'2). Von dort steigt der
Reisende in das von waldigen Bergen umgebene Becken von Ich-
timan herab. Die Spur der Römerstrasse zieht sich längs der Ost-
seite des grünen Kessels knapp am Rande des Waldgebirges hin
und geht durch die Stadt Ichtiman selbst hindurch. Die Einwohner
erzählen, der gepflasterte Weg sei in alten Zeiten für eine Kaisers-
tochter errichtet worden, damit dieselbe auf der Reise nirgends auf
den blossen Erdboden trete, was ganz an die Geschichten erinnert,
die 1577 Salomon Schweigger über den Ursprung dieser „gepflas-

72) Heerstrasse S. 129 identificirte ich Bela Crkva mit dem Jenihan. Jedoch
die Entfernungen bei Verantius, die Beschreibung bei Gerlach und besonders das
heute noch als ein weisser Punkt zwischen grünen Wäldern von Weitem sichtbare
alte Kirchlein neben dem bulgarisch - rumelischen Grenzzollamt sprechen klar für
Vakarel. Die Lage des antiken B ugarac a, das in die Gegend der Wasserscheide
fällt, vermochte ich nicht näher zu constatiren. — Die Namen Vakarel, sowie
das westlich davon (am Isker) gelegene Pasarel erinnern auch ausser der roma-
nischen Endung unwillkührlich an das lat. vacca, passer.
loading ...