Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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terten Landstrass" in seiner „Newen Reiss-Beschreibung aus Teutsch-
land nach Constantinopel" (Nürnberg 1639, S. 44) verzeichnete.
Ichtiman (an 3000 Einw.) ist eine moderne dorfartige Ansiedelung
mit Getreideschobern und Dreschtennen auf den Höfen, nur mit
einigen steinernen Bauten aus der älteren türkischen Zeit. Eine
halbe Stunde gegen NO. liegen am Fuss der Waldberge die Reste
einer alten Ansiedelung, von welcher jetzt an der Oberfläche nur
zahllose Ziegelfragmente, aber keine Mauern bemerkbar sind. Man
nennt den Ort bulgarisch Stipon, türkisch Istipon-kalessi;
die Einwohner eines Viertels von Ichtiman, die von dort abstammen
sollen, heissen noch immer Stiponcene. Das ist das byzantinische
Xxumöviov, das Stobuni des Arabers Edrisi (um 1150), Stopon,
Stiponje mittelalterlicher slavischer Quellen. Die Gemeinde von
Ichtiman besitzt einige ältere türkische Urkunden über ihre Grenz-
marken; in einer derselben vom Jahre 1088 (1678) wird das „Dorf
Istipon" ausdrücklich genannt. In der alten Reiseliteratur erscheint
es allein bei Verantius (1553) als „pagus Stippos"; andere Reisende
des 16. Jahrhunderts nennen schon Ichtiman (Kuripesic 1530 u.s.w.73).

Unterhalb der Stadt passirt man den M^tivir, in dessen engem
Waldthal einige Burgruinen liegen, und erreicht 12 Kilometer
(2 St.) von Ichtiman das hohe (809 M.) Joch mit der Stelle des
alten „Trajansthores", die Succi der Römer und die B a ö" i X t k f|
KXettfoupa des Mittelalters. Das in sechs Gruppen (zusammen
305 Häuser) weit zersprengte Dorf Vasiii ca (türkisch Kapu-
dzik) bleibt in dem Waldgebiet westlich von der Chaussee. An
der Strasse stehen auf der Passhöhe nur drei Häuser. Vor einem
derselben, einem bescheidenen Wirthshaus, sieht man im tiefen
Strassengraben auf der Westseite der Chaussee noch die Fundamente
des alten Thores, nämlich die Grundfesten einer drei Schritt breiten
Quermauer aus weissen unbehauenen Bruchsteinen. Die alte Römer-
strasse befand sich hier zuletzt in einem tiefen Hohlweg und ist
bei der Errichtung der modernen, von den Türken zu militärischen
Zwecken erbauten Chaussee grösstentheils zugeschüttet worden.
Alte Bauern erinnern sich noch an die 1835 niedergerissene „Mar-
kova kapija" (Thor des in der südslavischen Sage berühmten Königs

73) Für mich waren die Erzählungen der Ichtimaner Bulgaren und Türken
von einem alten ,,Istipon-kalessi" eine angenehme Ueberraschung; Heerstrasse S. 91
verlegte ich Stoponion nach Ichtiman einzig und allein auf Grund der Erwähnung
des „pagus Stippos1' bei Verantius.
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