Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Marko) und sind noch als Kinder auf Balken oben über den Thor-
weg hinübergelaufen. Der Bau, den noch Marsigli zu Anfang des
18. Jahrhunderts mit einer Thorwölbung abbildete, ist also seitdem
durch Einsturz der oberen Theile auf die beiden Seitenpfeiler reducirt
worden und mehr durch langsame Zerbröckelung als durch Men-
schenhand zerfallen. Zu beiden Seiten des Thores gab es kleine
Forts, die auf dem kleinen Plan von Lejean74) gut angegeben sind;
auf der Westseite erkennt man gleich über dem Wirthshause auf
einer niederen Höhe die von Gras überwucherten Reste eines vier-
eckigen, an der Seite 25 Schritt langen Gebäudes, das sich ur-
sprünglich an die Quermauer anschloss, und auf der Ostseite zeigt
man ein „cerkoviste" (Kirchenruine), desgleichen den Ueberrest
eines Castells. Die zwei Holzpfeiler der offenen Vorhalle des Gast-
hauses sind durch kleine, hier ausgegrabene Inschriftsteine gestützt.
Der eine Stein steckt ganz in der Erde; soviel ich bei einem Ver-
such einer Abgrabung bemerken konnte, trägt er eine griechische
Inschrift (cthne etc.). Der andere, mit kleinen rohen Buchstaben,
ist besser zugänglich:

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E T '/// A T (JU K T
< A E A M E K
T H N E T A T I

//// T O A T A A M E
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////////////////

Ungefähr hundert Schritt südlich von der Passhöhe bemerkt
man links auf einer sehr steilen, dicht bewaldeten Höhe die Reste
eines alten Mauerwerks, jetzt „Markova mehänicka" (Marko's Trink-
häuschen) genannt, wohl den Ueberrest eines gegen Süden vorge-
schobenen Wachtthurmes vor dem Thore75). Von dem alten Thore
fährt man 6 Kilometer abwärts zum Bach Javorica, bei welchem sich
ein Wartthurm türkischen Ursprungs mit einem Gensdarmeriepiquet
befindet, und steigt abermals aufwärts zu einem zweiten Joch (710 M.)
mit der südlichen Passbefestigung. Neben einem ähnlichen türki-
schen Wächterhaus, jetzt Wohnung des die Strassenreparaturen
leitenden Ingenieurs, bemerkt man die Reste eines 15 Häuser starken

74) Lejean, Voyage en Bulgarie, Tour du monde 1873 p. 159.

75) Wurde von manchen neueren Reisenden irrthümlich für das alte Trajans-
thor gehalten.
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