Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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riste; weiter durchschnitt sie wahrscheinlich die Ebene links von
der Marica in dem sumpfigen Mündungsgebiet der in drei Arme
getheilten Luda Jana und verlief geradeaus nach Philippopolis
(Strasse Tatar-Pazardzik—Philippopolis jetzt 35 Kilometer).

Das war aber hier nicht die einzige Route. Die Spuren einer
zweiten Römerstrasse führen aus der Umgebung von Pazardzik bis
Philippopel auf dem rechten Ufer der Marica, längs der jetzigen
Eisenbahn. Die topographisch wichtigste Frage ist hier die Auf-
findung der antiken Stadt Bessapara, die nach den Itinerarien
22 röm. Meilen — 32 72 Kilom. von Philippopel entfernt war. Die
meisten suchten die alte Bessenburg in Tatar-Pazardzik, einer
grossen offenen Stadt (14380 Einw.) am linken Ufer der Marica,
die aber nach türkischen Berichten erst 1485 von Bajezid II. ge-
gründet wurde. Das im Mittelalter öfters erwähnte Batkun mit
seinem kleinen Castell, seinem St. Peterskloster und dem bei Akro-
polita (ed. Bonn. 128) sehr wahrheitsgetreu beschriebenen beschwer-
lichen Steig durch die Buchenwälder der Rhodope aufwärts zu den
Ruinen der byzantinischen Burg T£eTrcuva und zu der nahen, noch
immer Cepino genannten Gebirgslandschaft, liegt für Bessapara
zu weit westlich und kann schon der Entfernung nach nicht mit
ihm identificirt werden. Im Jahre 1883 besuchte ich die zu Ru-
melien gehörigen westlichen Rhodopelandschaften, sah eine Anzahl
mittelalterlicher Denkmäler, aber keine Reste einer antiken Stadt,
da ich mehr einwärts im Gebirge blieb und die nächste Umgebung
von Tatar-Pazardzik nicht näher untersuchen konnte. Die genaue
Distanzangabe der Itinerarien führte endlich doch zur Feststellung
der Lage von Bessapara. Im Jahre 1885 fand Herr V. Dobrusky,
Lehrer am Gymnasium von Philippopel, die Substructionen der
alten Stadt ungefähr 5 Kilom. gegen SO. von Pazardzik, zwischen
den Dörfern Basikara und Simentli, auf der Südseite der
Eisenbahn und am Nordfuss der niederen Vorhügel der Rhodope,
des sogenannten „Baba Bair". Auf einem weiten Raum werden
dort beim Ackern alte Hausmauern, Fundamente von Ziegel- und
Steinbauten, Gräber, römische und makedonische Münzen u. s. w.
gefunden; das Material der oberirdischen Gebäude ist schon längst
für die nahe grosse Stadt ausgebeutet worden und dadurch von
der Oberfläche verschwunden78). Jenseits des Baba Bair liegt auf

78) Ein bulg. Aufsatz über Bessapara von Dobrusky in der Philippopeier
Zeitung „Marica" 1885 vom 2. u. 9. Juli, Nr. 727 und 729.
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