Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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und einer Reihe „eiserner Wägen". Herr Luterotti, k. k. Consul
in Sofia, erzählte mir, es sei hier damals auch eine Metalltafel mit
lateinischer Inschrift gefunden worden, die der damalige französische
Consul von Philippopolis nach Paris sandte. Das wird vielleicht
das „ad PhiUppopolimu gefundene Militärdiplom des Kaisers Trajan
sein, gegeben Metico Solae f. Besso (C. L L. III p. 863). Weiter
nördlich fand Herr Dobrusky bei den an der Bahnlinie gelegenen
Dörfern Karatahir und Kadiköi alte Basreliefs, Säulen, Car-
niesse, Quadern u. s. w. und in Airanly an der Marica auch
einen gut erhaltenen Meilenstein des Kaisers Gordian80).

Die Strecke Philippopel-Adrianopel habe ich in der „Heer-
strasse", beeinflusst durch die Reisebücher des 15. und 16. Jahr-
hunderts und noch mehr durch den Mangel an Informationen über
die Alterthümer des linksseitigen Maricagebietes, auf das rechte
Ufer in die Ausläufer der Rhodope verlegt, wo auch die moderne
Chaussee die Verbindung beider Städte über Chasköi und Harmanli
vermittelt. Die Römerstiasse lag indessen nach den Untersuchungen
des Herrn Dobrusky auf der nördlichen, linken Seite des alten
Hebrus. Die Spuren des römischen Pflasters führen von Philippopel
durch das Mündungsgebiet des antiken, bei Plinius (N. IL IV §. 50)
und in den Acta S. Alexandri (Acta SS. Boll. Mai 3, 198) ge-
nannten Syrmus, Sermius, der jetzigen Strema, und sind
weiter sichtbar zwischen Skutarevo und Ragos, bei Manolevo,
Geren, Asykarlar, Celtikdzi, Karaorman, bis zur Stadt Cirpan. Von
dort erreichen dieselben (über Alipasa Mahala) die von mir bereits
in meinem früheren Bericht81) erwähnten Ruinen Hissar-Kasaba,
an dem Bache Ak Dere zwischen den Dörfern Cakyrlar und
Sary Ismail, die, voll von Quadern, Säulen, Ziegeln und reich
an Münzfunden, eine Fläche von 100 Dönüm (40 X 40 Schritt)
umfassen sollen. Für die Feststellung des Strassenzuges ist ent

v

scheidend eine jetzt in Cakyrlar befindliche Inschrift, von der ich
damals nur den Anfang aus zweiter Hand bieten konnte. Ich habe
den Ort selbst nie besuchen können, erhielt aber durch die Freund-

8n) Näher gegen Philippopolis zu sah ich ein Stück einer gepflasterten, viel-
leicht nicht sehr alten Strasse inmitten der jetzt aufgegebenen Reisfelder hei
Airanly am Ufer der Marica; ein anderes soll es weiter südlich bei dem Dorfe
Zlati Trap (bulg. „Goldgraben") geben.

81) Monatsber. der Berl. Akad. 1881 S. 447. Ich hielt damals die Ueber-

v

reste der Römerstrassen im Bezirk von Cirpan für Stücke der Seitenlinien von
der Hauptstrasse nach Beroe.
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