Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 99
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Strelca führten zwei Pfade über die Sredna Gora in das Becken
von Zlatica, der eine durch den Pass Meded zu einer von zwei
Castellruinen flankirten steinernen Brücke über die Topolnica (wahr,
scheinlich dem Endpunkt des Zuges des Königs Wladislaw III. 1443)?
der andere durch das Quellgebiet der bei Koprivstica entspringenden
Topolnica, beide mit einigen kleinen Burgen. Das landschaftlich
schöne, zwischen den Steilwänden des Balkan und den Waldbergen
der Sredna Gora eingeschlossene Becken von Zlatica mit der
gleichnamigen, wohl uralten, jetzt ganz verfallenen Stadt und dem
nahen, rasch aufblühenden Pirdop, besitzt zahlreiche grosse und
kleine Tumuli — auf dem Gipfel eines der grössten, der „Tartarica"
östlich von Pirdop, stand zuletzt die bulgarisch-rumelische Zoll-
wache — sowie eine Anzahl mittelalterlicher Burgen, Klöster und
Kirchen, aber für das Alterthum konnte ich ausser einigen Münzen
(Septimius Geta u. s. w.) nichts erfragen.

Die wichtigste Römerstrasse über den mittleren Haemus, die
einzige, deren Pflaster sich jetzt noch gut verfolgen lässt, war die
in der Tabula Peutingeriana verzeichnete von Philippopolis nach
Novae (bei Svistov). Leider gibt die Tabula bis zum Haemus selbst
keine Ortschaften an. Eine deutliche Spur dieser Route bemerkte
ich eine halbe Stunde nördlich von Philippopel auf den steppen-
artigen Wiesen zwischen dem Dorfe Strojevo und der neuen
Chaussee: ein 3 M. breites, von N. nach S. orientirtes Pflaster
neben einem Tumulus und einem Schöpfbrunnen. Die Strasse
passirte die schon von Dumont (Inscriptions et monuments figures de
la Thrace p. 68) besprochenen Ruinen von Lidza Hissar oder
Hissar, in der schattenlosen, von einer Unzahl grosser und kleiner
Tumuli erfüllten Ebene am Südfuss der Sredna Gora. Die stellen-
weise an 5 — 6 Meter hoch emporragenden Mauern, aus abwech-
selnden Stein- und Ziegellagen ohne Thürme, bilden ein an den
Seiten 600 M. langes Quadrat, mit gewölbten Thoren in der Mitte
jeder Seite und umschliessen drei warme, in alten steinernen Bade-
häusern untergebrachte Quellen (-f- 47° C). Bei jedem Spatenstich
stösst man auf alte Fundamente, behauene Steine, grosse antike
Ziegel, römische und byzantinische Münzen u. s. w. Ausser Obst-
und Weingärten gibt es im Burgfrieden jetzt nur ein kleines Dorf,
das aber als Badeort und Sommerfrische der Philippopolitaner
einer neuen Zukunft entgegensieht85). Das ist wahrscheinlich das

85) An Inschriften sah ich nur eine (Dumont Nr. 26), zur Hälfte eingemauert
in der Schwelle des westlichen Thores.

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