Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 106
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5 (^FELICITAS- SI^IFK R
IERNA ■ BAS s.
C^TITIN VS- /
FJAVICTOR /
MILElei /

J{ovi) O(ptimo) M(aximo) e{t) Junoni regin(a)e pro salutem
imperi, Cl(audius?) Eltia et Cl(audius) Citanus, C{laudius) Felix
m(agister) pr(imus), Eleuther et M. Ovilia (?) Cl(audi) Felicis ma(gistri),
Cl(audia) Felicitas et Erna (?) Bass(iani?) si{g)nifer{i) le(gionis) 1;
Cl{audius) Titianus, Fl(avius) Victor mile(s) le(gionis) 1; Cl(audius)
Crescentin(us), Cl(audius) Cresces, Cl(andia) Maura liberta. [d(e) s(ua)
p(ecunia) ?]

Obwohl die Inschrift im Ganzen gut erhalten ist, ergeben
sich doch bei den barbarischen Namen Schwierigkeiten. Zweifelhaft
ist, ob in Z. 4 nach Eleuther et der kleine Kreis als Punkt anzusehen
ist. Vollständig unklar ist der folgende Name. Nach dem v sind
nur drei verticale Striche zu erkennen. Auch in Z. 6 ist der Name
Erna auffallend und statt dessen vielleicht (A)eterna zu verstehen.
Die Auflösung des m. pr. Zeile 3 in magister primus scheint mir
durch die folgende Bezeichnung der Gattin dieses Mannes sicher,
da hier zu dem Namen des Gatten der Zusatz ma tritt. Der auf
pr folgende Rest einer gebogenen Linie rührt, wenn er nicht zu-
fällig ist, von einem Punkte her.

In der fehlenden Zeile am Schlüsse mag eine Formel ge-
standen haben, wie: dye) s(ua) p(ecunia) oder v(otum) siplverunt).

Gewidmet wurde das Heiligthum von einer Genossenschaft,
von der ein Mitglied magister primus, also der erste war, der das
gemeinte magisterium bekleidet hat (cf. C. I. L. VI, 188. 445). Wel-
cher Art dasselbe war, lässt sich aus der Inschrift nicht mit Sicher-
heit erschliessen. Doch da die schönen und einfachen Formen der
Buchstaben die Zuweisung der Inschrift an die frühere Kaiserzeit
empfehlen, und dazu auch die Namen, meist Claudier und ein
Flavier, passen, da ferner unter den Personen zwei Soldaten der
Legio Prima Adiutrix erscheinen und die Stadt Brigetio aus den
Canabae des Lagers dieser Legion entstanden ist, so hat die An-
nahme wohl einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, dass unter
magister primus der erste Magister der Canabae von Brigetio zu
verstehen ist. So heisst in einer Inschrift aus Apulum C. I. L.
III, 1008 L. Silius Maximus: magistra(n)s primus in can(abis), und

LF I • CLCRESCENTIN
\CL CRES CES-
CL- MA VIA
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