Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 116
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Wie dieser zugleich apxiepeu«; war, so scheint auch Flavus mit der
Stelle des Dolmetschers zugleich eine andere bekleidet zu haben.
Es ist nämlich vor interpetri der obere Theil - eines t erhalten,
welcher, da zum Schlüsse der vorhergehenden Zeile ein Punkt steht,
wohl nur zu "e {et) ergänzt werden kann. Da hiernach in Z. 1 eine
Charge angegeben war und zum Schlüsse pl noch erkennbar ist,
so vermuthe ich m[ü(iti) .... du]pl(ario). Sicher ist dies natürlich
nicht, aber dass der Statthalter einer Grenzprovinz seine Dolmetscher
aus den ihm unterstehenden Soldaten nimmt und dass ein solcher
doppelten Sold bezieht, scheint durchaus ohne Anstoss4).

Zeile 3 fehlt vom Namen des Sohnes das Cognomen. Die
Reste von Buchstaben am Schlüsse dürften „riti" sein.

3. Sarkophag aus Kalkstein, 1. 249, t. 1*31. Erhalten
ist nur der untere Theil des Sarkophagkörpers; der Bruch ist un-
regelmässig.

Die Vorderseite zeigt in der Mitte ein mit unregelmässig ge-
schwungenen Leisten eingefasstes Inschriftfeld. Zu beiden Seiten
desselben stand in je einer Nische ein Krieger (?) — der zur L.
ist von den Oberschenkeln, der zur R. von der Brust an erhalten —
bekleidet mit Chlamys, die im Rücken bis unter die Kniekehlen
herabfällt. Die Figur r. trägt in der L. ein Schwert mit der Spitze
nach oben. Von der Inschrift ist, unmittelbar unter dem Bruche,
nur mehr erhalten :

jy r i S D I m. A f

f c

Vor f{aciendum) c(uravit) ist das f sicher, aber vielleicht vom
Steinmetzen verhauen und \c]arissima[e\ gemeint.

Linke Nebenseite: In der Mitte ein runder Altar mit brennen-
dem Feuer, 1. von demselben stehen Orest und Pylades, rechts
Iphigenie. Orestes ist en face gebildet (Kopf fehlt) und mit langer
Chlamys bekleidet, die auf der Brust genestelt ist. Die Beine sind
gefesselt, die Hände auf den Rücken gebunden. R. von ihm steht
Pylades en face. Erhalten ist nur der Unterkörper und ein Theil

*) Professor Hirschfeld, dem ich diese Inschrift mittheilte, schreibt mir, dass
sowohl ihm wie Professor Mommsen die Ergänzung" militi bedenklich erscheine,
Mommsen denke an medico (ein solcher wird oft als duplicarius bezeichnet, vgl.
Marquardt Staatsverwaltung II 8. 556 A. 2), er selbst an m[ensori].
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