Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 121
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Der Fundort liegt auf dem Boden des alten Poetovio, nahe
der Ortschaft Unter- Haidin, welche eine mässige halbe Stunde von
dem östlich davon gelegenen Pettau entfernt ist. Man geht von
Pettau aus auf der Marburger Strasse bis zum Beginne der Ort-
schaft Unter-Haidin; bevor man noch das erste Haus dieses Dorfes
erreicht, biegt ein Wiesenweg von der Strasse ab, welchen man
noch 300 Schritt weit zu verfolgen hat, um zu der Wiese des
Bauers Johann Gracher (Haus Nr. 19 in Unter-Haidin) zu gelangen.
Auf dieser Wiese wurde unter Erlenbäumen der Stein in liegender
Stellung entdeckt und am 24. Februar 1. J. ausgehoben. Unmittel-
bar vor dieser Wiese befindet sich ein Feld, auf welchem Gefäss-
scherben, zum Theil von Terra sigillata, grosse Ziegelbruchstücke
und andere Baureste in Menge zerstreut liegen. Einige wohler-
haltene kleine Fussbodenziegel von da haben meine Bekannten für
mich erworben. Der Stein wurde im März vom Magistrat der
Stadt Pettau, welcher ein Localmuseum zu gründen beabsichtigt,
angekauft und ist vorläufig im Hofe des dortigen landschaftlichen
Gymnasiums aufgestellt.

Der Stein besteht aus einem einzigen Stück sogenannten
Bacherer Marmors, eines weiss-gelblichen krystallinischen Kalk-
steins, aus welchem die meisten Römerdenkmale Pettau s gemeisselt
sind. Auf einem 0*78 M. breiten, 0*24 hohen und 0*4 dicken Sockel
erhebt sich das Mittelstück 0*58 br., 0'44 h., 0*4 tief, auf dessen
Vorderseite in einem durch einen schmalen Rand abgegrenzten
Felde die Inschrift mit guten Buchstaben, anscheinend der ersten
Kaiserzeit, eingehauen ist, deren Höhe in Z. 1—5 allmählich etwa von
7 bis zu 3 Cm. herabgeht. Die Krönung des Steines bildet ein
einfacher Aufsatz mit einem Wulst, die zusammen 03 hoch sind.
Die Inschrift lautet:

VOLCANO
AVG•SACR

EX - IMP - Vi CVS

FORTVN - A • TEMPI.
5- FORTVNAE • AD HORR
M P

Volcano Aug(usto) sacr{um). Ex irnp(erio) vicus Fortun(ae) a
templ(o) Fortunae ad horr(ea) m(erito?) p(osuit)*).

*) [Die Lesung ist nach den uns vorliegenden Abklatschen und der Photo-
graphie, aus denen wir auch das längere I in Z. 3 aufgenommen haben, völlig*
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