Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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grossen und kleinen Monastirberges, hinter denen in weiter Ferne
der lange Rücken der Sakar - Planina hervorblickt. Das linke
Tundzaufer ist hoch und trocken, das rechte niedrig und zum
Theil sumpfig. Das Centrum der alten Stadt, die Burg derselben,
stand auf einem von einer Krümmung des Flusses eingeschlossenen
Vorsprung des linken Ufers, einem gegen Norden schroff abfallen-
den felsigen Plateau von ungefähr 16 Meter Höhe (über dem Fluss-
ufer) und 130 Schritt Breite. Die von Weitem sichtbare Moscheen-
ruine der „Sofular-Dzamisi" ist jetzt das einzige Gebäude des
Platzes; daneben bemerkt man jedoch die Grundfesten eines auf
gewaltigen Quadern ruhenden Gebäudes und zahlreiche türkische
Grabsteine mit Spuren älterer Ornamente. Auch die Substructi-
onen einer Umfassungsmauer sind kenntlich, besonders auf der
Ostseite, wo jetzt elende Zigeunerhütten den Uebergang von der
einstigen Burg zur jetzigen Stadt vermitteln. Die früher meist
mohammedanischen Stadttheile des linksseitigen Ufers mit vielen
grossen Gebäuden aus der älteren Türkenzeit (Bezestan, Bäder,
Moscheen) werden oberhalb und unterhalb der Burghöhe vom Flusse
bespült. Die tiefgelegene, von Gärten angefüllte Vorstadt des rechten
Ufers ist von Alters her rein bulgarisch und wird Kargo na ge-
nannt. Zwei alte, 72 Meter lange Brücken vermitteln die Ver-
bindung über die Tundza. Die „Hamamköprüsü" auf der Strasse
nach Sliven ruht auf sechs Pfeilern aus steinernen Quadern alter
Arbeit (auf einigen Steinen bemerkt man Basreliefs von Schlangen),
während die Brücke von Kargona neben einigen hölzernen nur noch
zwei steinerne Pfeiler aufzuweisen hat; der Oberbau ist bei beiden
aus Holz.

In den Erzählungen der Einwohner der ganzen Umgebung
erscheint Jambol als eine alte Stadt, angeblich älter als das be-
nachbarte, jetzt viel bedeutendere Sliven. Ausser der Burg trifft
man noch zahlreiche Spuren mittelalterlichen und selbst antiken
Lebens. Neben der grossen Eski - Dzamissi liegt ein zerschla-
gener Stein mit der Aufschrift afaghi tyxhi; ebendaselbst fand
man ein Basrelief mit dem bekannten sogenannten thrakischen
Reiter, das jetzt als ein St. Georgsbild in einer Kirche von Kar-
gona verwahrt wird. Bei verschiedenen Bauten stiess man auf
gewaltige Grundmauern aus colossalen Quadern, sowie auf altes
Strassenpflaster und zahlreiche gemauerte unterirdische Räume, wie
die alten Keller von Sofia; daneben findet man häufig Thongefässe
und Münzen der verschiedensten Zeiten. An der Ostseite, wo eine
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