Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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colonie König Philippus II. Als KaßuXn erscheint es schon bei
Philippus II. Zeitgenossen Demosthenes {oratio de Chers. §. 44).
Nach Strabo lag der Ort im Lande der Asten selbst, nach Polybios
(XIII, 10; 7) nicht weit von den Sitzen dieses thrakischen Stammes,
der sich über das ganze östliche Thrakien von Apollonia (Sozo-
polis) bis Perinth ausbreitete und sein Centrum in Bizye hatte.
Nach meinen Erkundigungen sind makedonische Münzen, besonders
von Philipp und Lysimachos, in der Gegend von Jambol recht häufig.
Ausserdem wurden jüngst in der Nähe zahlreiche Spuren eines alten
Bergbaues von Herrn H. Skorpil, Lehrer der Naturgeschichte an
der von der ostrumelischen Regierung eröffneten Realschule zu
Sliven, aufgefunden. In der Umgebung der Dörfer Jeni-Mahala
und Türkmen, zwischen den Bergen Gross- und Klein - Bakadzik,
südöstlich von Jambol, gibt es an einer „Maltepe" (türk. „Schatz-
hügel") genannten Anhöhe in der Nähe einer gepflasterten Strasse
nicht nur Galenitadern, sondern auch Reste von alten tiefen Gruben,
jedoch keine Spur von Schmelzöfen. Auf den waldigen Abhängen
des Berges von Gross-Monastir, südlich von Jambol, fanden sich
fünf alte, an 5 M. tiefe Eisengruben mit Resten von Schlackenhalden.
Zwischen den Monastirbergen und Jambol stiess man zwischen
Kuemdzi und öömlekköi auf Spuren eines uralten Kupferbergwerks
mit Gruben. An allen diesen Stellen ist jede Tradition über die
Zeit des Betriebes dieser Werke längst erloschen3).

Cabyle ist aber bei alledem kaum in Jambol selbst zu suchen.
Einer solchen Annahme widerspricht nämlich die überlieferte Ent-
fernung von Cabyle bis Adrianopel, die mit 79 römischen Meilen
angegeben ist, während das heutige Jambol von der Hadriansstadt
kaum 68 solche Meilen entfernt liegt. Die antike Distanzangabe
führt uns in die Gegend zwischen Jambol und dem Südabhang des
nahen Haemus. Dort lag ein ausgezeichneter Punkt für eine be-
festigte Ansiedelung auf dem äussersten Vorgebirge des hier endi-
genden niedrigen Rückens der Sredna Gora, einem scharf profilirten,
von weitem sichtbaren Hügel, etwa 9 Kilom. nördlich von Jambol,
welcher Tausan-Tepe (türkisch „Hasenhügel") genannt wird.
Die Tundza, welche eben hier ihre östliche Richtung gegen eine
südliche vertauscht und dabei um das Tausan - Tepe einen Halb-
kreis mit vielen Sümpfen und Seitenarmen beschreibt, deckt die

3) H. V. Skorpil, Die Naturschätze von Bulgarien. Philippopel 1884 (bulg.),
8. 4-1. 64. 71. 92.
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