Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 145
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erhalten seien, eines am rechten Ufer der Tundza bei Fikel (türk.
Fikla), das byzant. BoÜKeXXov der Notitiae episc. und das BouKeXou
TToXicTjua des Kantakuzenos (I. 324 sq.), das andere 4 St. nordöstlich
von Adrianopel, 2 St. von Vaisal, auf einem Felsen bei dem Fluss
und Dorf von Provadia, das im Mittelalter oft erwähnte TTpoßcrrov,
nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Burg bei Varna. Bei
Anna Komnena (ed. Reifferscheid II. 71) lesen wir von einem
Marsch des Kaisers Alexios I. Komnenos durch diese Landschaften:
von Adrianopel zuerst in das 18 Stadien entfernte Xkout&piov, auch
in den Not. episc. als Bisthum (unter Philippopolis) erwähnt, jetzt
ein DorfUsküdar (20 Kilometer von Adrianopel an der Südseite der
Sakar-Planina, nach der älteren Landeseintheilung noch unter Sultan
Mahmud II. Centrum einer Nahia), und von dort am folgenden
Tage in das wohl nahe 'AxaGoviKn, wo sich den Not. episc. zufolge
gleichfalls ein Bisthum befand. Nicht weit davon nordwärts lag
ein Ort (töttoc;) 'AßpiXeßuu, ou TroppwTepuu tujv eipnjuevwv TüöXeuuv
Keiuevoq. Derselbe erscheint schon im 8. Jahrhundert (Theophanes
ed. Boor 470), wo im Jahre 796 während eines Bulgarenkrieges
die Positionen tou batfeuuc; 'AßpoXeßa (mit einem dXcToc;) und toö
fojuvoö 'AßpoXeßa genannt Averden. Es waren also eine bewaldete
und eine kahle Höhe nahe bei einander. Südöstlich von dem
grünen bewaldeten Rücken der Sakar-Planina steht abseits gegen
die Tundza zu eine isolirte grösstentheils kahle Kuppe von gelb-
brauner Farbe und nicht unbedeutender Höhe, türkisch Dervis-
Tepe (bulgarisch Derviska Mogila) genannt, welche bis zum heu-
tigen Tag als ein strategisch wichtiger Punkt gilt, wesshalb die
Feststellung der Grenzlinie zwischen Rumelien und der Türkei über
deren Gipfel nicht ohne Schwierigkeiten vollzogen wurde. Die
Position dominirt nämlich das Tundzathal und die Aussicht umfasst
die ganze Landschaft von Adrianopel bis nahe vor Jambol. Der
bewaldete Avroleva, auf welchem 796 der Bulgarenfürst Kardam
sein Lager aufschlug, entspricht wohl der Sakar-Planina, der kahle
Avroleva, wo sich damals Kaiser Konstantin VI. aufstellte, dem
gegenüberliegenden Dervis-Tepe, nahe oberhalb des alten Skutarion.

Im Gegensatz zu den wohlbebauten, meist ebenen Fluren des
Bezirkes von Kavakli ist der jenseits der Tundza an der Ostseite
derselben gelegene Bezirk von Kyzyl-Agac ein monotones wal-
diges Hügelland mit armseligen, weit von einander entfernten Dörfern
und schlechten Commnnicationen, das längs der Grenze durch die
Landplage eines permanenten Brigantaggio heimgesucht ist. An

Archäologisch-epigraphische Mitth. X. 10
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