Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 147
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Bulgarenstadt lTi\ßvo<; erscheint. Die jetzige sehr ausgedehnte
Stadt (16.593 Einw.) ist auch nach den Sagen der Einwohner von
neuerem Datum. Die ursprüngliche Ansiedelung bildet das gegen-
wärtig östlichste dorfartige Viertel Novoselo (bulg. „Neudorf").
Nordöstlich oberhalb Novoselo sieht man auf einem ganz von Wein-
gärten bedeckten Vorsprung des Balkans die „Hissarkalessi" ge-
nannten Reste der alten Akropole von Sliven. Der Burgraum ist
ziemlich gross, im Westen gedeckt durch das enge tiefe Thal der
Novoselska Reka, im Osten durch eine trockene Mulde, im Süden
durch den Abhang gegen Novoselo zu; die Nordseite, gegen die
hohen Balkangipfel Catal und Bolgarka zu, war durch eine 3—4 M.
hohe, künstlicli abgegrabene Terrainstufe geschützt, an deren Rand
die Fundamente einer festen steinernen Mauer sichtbar sind. Die
hiesigen Weingärten sind voll alten Baumaterials, Stein und ZiegeL
Auch findet man hier eine Menge von Münzen. Die meisten mir
in Sliven gezeigten Stücke sollen von hier stammen: von Traian,
Antoninus Pius, Diocletian (sehr häufig), Constantin, Justinian,
byzantinische Stücke, altbulgarische Silbermünzen u. s. w. Am
Südfusse des Schlossberges hat man die Fundamente einer kleinen
Kirche blossgelegt. Die in der Gegend gefundenen „geschrie-
benen" Steine liegen jetzt sämmtlich bei der St. Sofiakirche von
Novoselo, welche noch vor 50 Jahren eine mit Bäumen und Ge-
strüpp bewachsene Ruine war, seitdem aber (1838) durch einen
neuen Bau ersetzt wurde. Ein 1*27 M. hoher und 052 M. breiter
Inschriftstein am Schöpfbrunnen neben der Kirche ist leider durch
das Ausgiessen des Wassers halb verlöscht,3):

13) Dieselbe Inschrift ist bei Skorpil S. 79. 80 abgedruckt, dessen Lesung
oben neben der meinigen steht. Nach ihm sollen diese Alterthümer nicht auf der
Burg, sondern in Novoselo am Südostende neben den Fundamenten eines mit
Ziegeln gepflasterten Gebäudes gefunden worden sein. [Möglich erscheint etwa
folgende Herstellung, die grossentheils unserem Collegen v. Härtel verdankt wird:

'AYa[0fjt] xuxni- ['Eireiöri ol] 'Avxi[a\et<; ev xoTc; vejünc; Kai ßa[..... ävJeGnKav

Ta.......0€ujv äfdX[}iara Kaxd xpn]2|uou<; xou[c; . . . 'AttöMJujvoc; Ko\oqpuj-

[viou itTrtu]e\r)Toü Titou [<t>\aoinou NJeuaixou, 5iaoe[2d|uevoc; rf\]v eiri[|u]e\eiav

[crfvoxdxriv ö]i[a] toü irafxpöc; aüxoö Tixoc;] <t>\domo[<;......o<; k]axd xö xfj<;

[\auiTpoxdxr)<; ß]ou\f)c; [66j|ua k. x. \. Mit dem in Z. 6—8 vorausgesetzten Orakel
des kolophonischen Apollou ist das des Apollon Klarios bei Kolophon gemeint, dessen
Ansehen in der Kaiserzeit namentlich durch den Bericht des Tacitus Ann. 2, 54
bezeugt wird. A. d. R.]

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