Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 150
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dem Gipfel soll es-nur eine gemauerte Cisterne; aber keine Spuren
von Befestigungen geben. Gegenüber auf der flachen Höhe Plesivica
gibt es angeblich alte Schanzen, und die Sage erzählt, in alten
Zeiten sei der dazwischen liegende Pass, die Demirkapija
(Eisernes Thor) von Kotel, durch eine Kette gesperrt gewesen.
Eine Stunde nordöstlich von Kotel, gegen Vrbica zu, liegt im Ge-
birge die Ruine einer grossen, Kozjak genannten Burg, deren
Mauern aus wechselnden Stein- und Ziegellagen bestehen sollen.

In den Umgebungen des nahen einsamen Gebirgsdorfes M6dven
(türk. Papasköi) gibt es ausser drei grossen Tumuli (im W.) eine
im Walde verborgene Castellruine (gegen NO.) und die Reste einer
grösseren, Novacka genannten Ansiedelung (*/4 St. gegen O.)
auf einer ausgedehnten flachen, von alten Weichselbäumen be-
schatteten Anhöhe, mit Spuren einer Kirche und alter Hausmauern,
wo auch Pfeilspitzen, Münzen, Kreuze u. s. w. gefunden werden.
Es soll dort einst 30 Kupferschmiedwerkstätten (nach anderen 80
Kesselschmiede) gegeben haben, und der Sage nach stammen die
Einwohner von Kotel und von anderen umliegenden Orten aus
dieser erst seit der türkischen Eroberung eingegangenen Stadt.
Zwischen Medven und Gradec stehen die Ruinen einer Butovo
genannten Burg. Oestlich von Medven liegt an der Kamcija ein
türkisches Dorf mit dem bulgarischen Namen Sädo vo; 1 St. nördlich
soll es an einer Karasu genannten Stelle eine Castellruine geben.
Weiter gegen Osten folgt das Dorf Kadyrfakli; l1/» St. gegen
Norden von ihm ragt auf der Ostseite der zuletzt von der türkischen
Regierung gebauten Chaussee über den Centralbalkan nach Vrbica,
knapp an der rumelisch-bulgarischen Grenze, aus dem Gebirgskamm
ein hoher, von Weitem sichtbarer flacher Gipfel empor, auf welchem
sich die angeblich grösste Burgruine der ganzen Gegend befindet, von
den Türken Ruspuhissar („Hurenburg") genannt. Die Position
dieser den Balkanübergang in der Richtung gegen Vrbica und Preslav
dominirenden Castelle (an das zweite soll sich eine niedere, Düz-
tepe genannte Stelle mit den Spuren einer Ansiedelung und einer
Kirche anschliessen) lud wohl zu einem längeren Aufenthalt in
den hiesigen Wäldern ein, umsomehr als man mir von einem bei
dieser Ruine vorbeiziehenden Wall oder Weg erzählte. Aber das
Wetter war sehr ungünstig. Nachdem ich durch starken Regen in
Kotel länger als ich wünschte festgehalten war, lernte ich die
hiesigen Waldbäche und die Kamcija beim Durchschwimmen zu
Pferde (an Brücken fehlt es noch) von der am wenigsten ange-
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