Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 153
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Honorius. Ich hörte von einem Marmorstein mit Inschrift, den
man vor dem letzten Kriege nach Constantinopel geschafft haben
soll, konnte aber nichts Näheres darüber erfragen.

Die nächste Verbindung dieses Seeschlosses mit Jambol führt
durch den Maras Boaz genannten Pass, in welchem sich, wie
man mir erzählte, neben der neuen Chaussee Jambol-Kotel Spuren
eines alten Pfades befinden, mit zwei Castellruinen in der Gemar-
kung des Dorfes Sedlärevo. Ich muss ausdrücklich bemerken,
dass ich den Namen in der ganzen Umgebung stets nur als Mar äs
gehört habe, wie auch ein Dorf am Südausgang des Passes heisst;
die Form Marak, die ein neugriechischer ApouoöeiXTnc; (um 1826)
angibt (Heerstrasse S. 150), ist im Lande selbst unbekannt. In-
dessen ging die mittelalterliche Hauptstrasse nicht diesen Weg,
sondern ungefähr 25 Kilometer weiter östlich durch das Azmak-
defile bei dem Hissar von Karnabad vorbei.

Ich wendete mich von Kajabas in das Azmakthal, passirte
die grossen, auch von Kanitz erwähnten Tumuli von Cerkesli,
das Dorf Sungurlar, in dessen Nähe am Waldesrand neben
einigen ähnlichen alten Grabhügeln eine kalte Mineralquelle ent-
springt (man zeigte mir eine bei der Quelle gefundene, in Alexandria
geprägte Silbermünze des Hadrian), sodann den grossen von Cul-
turen bedeckten Tumulus von Kokordza und gelangte nach Kar-
nabad. Diese Stadt (4274 Einw.) liegt am Nordabhang eines
niederen, von West nach Ost streichenden, eruptiven Höhenzuges,
welcher den Lauf des Azmak derartig einschränkt, dass sich nord-
westlich von Karnabad ausgedehnte Sümpfe gebildet haben, die
man vor dem Eintritte in den Ort auf langen, mit Brücken ver-
sehenen, gepflasterten Dämmen (aus der Türkenzeit) überschreitet.
Karnabad verdankt seine Bedeutung grossen Jahrmärkten und hat
nichts Alterthümliches aufzuweisen. Dagegen befindet sich in der
Umgebung, V/q St. gegen SW., eines der bedeutendsten Castelle
der ganzen Landschaft, das als Schlüssel der Communicationen
zwischen den Haemusübergängen und Jambol (oder Adrianopel)
eine hervorragende Bedeutung haben musste.

An der Stelle, wo der Azmak die enge Mauer des erwähnten
Karnabader Höhenzuges durchschneidet, um in offenem Felde der
nur 40 Kilom. entfernten Tundza (er mündet oberhalb Jambol) zu-
zueilen, stehen auf der linken Seite des Flussdurchbruches, nicht
weit südlich von der Strasse Sliven - Karnabad, die Reste des
Hissar-kale. Dasselbe besteht aus drei Befestigungen in drei
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