Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 155
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ichen Burggrabens eingeengt, in zwei Stufen zwei viereckige, mit
Wall und Graben umgebene Castra an. Das erste Lager liegt an
50 M. tiefer als die Burg, das zweite an 15 M. tiefer als das erste.
Die Form derselben ist wegen des Flusslaufes etwas unregelmässig;
die Länge des ersten Castrums (W. — O.) beträgt 550, die Breite
370 Schritt, während das zweite nur 400 Schritt lang und 100 Schritt
breit ist. Die Ostseite beider bildet ein an 6 M. hoher Wall mit
einem 16 Schritt breiten, trotz seines Gefälles immer feuchten
Graben. Die Westseite gegen den Fiuss ist ausser dem Wall auch
durch die allerdings niedrige Fortsetzung der Felsböschungen des
Defiles geschützt. Beide Lager trennt ein (von der Südseite ge-
sehen) fast 10 M. hoher Wall, wogegen das untere Viereck von
Süden nur mit einem niederen Erdaufwurf gedeckt wird, vor dem
sich jedoch ein breiter, mit stagnirendem Wasser angefüllter Graben
befindet. Das obere Castrum hat in der Mitte der Ost- und West-
seite einander gegenüberliegende Ausgänge; desgleichen verbindet
ein Thor beide Castra untereinander, dem ein Ausgang aus dem
unteren Lager südwärts entspricht. Das Innere der beiden Um-
wallungen, die jetzt als Weideplatz dienen, enthält ausser einzelnen
Ziegelfragmenten nicht die geringste Spur von Gebäuden. Zwei
Tumuli auf der Nordseite der obersten Burg und die grosse „Popova
mogila" gegen Osten auf dem Rücken desselben Höhenzuges ver-
vollständigen das ganze Landschaftsbild. Zum Schlüsse muss ich
bemerken, dass längs des Azmak ein Fahrweg durch die Schlucht
führt, an welchem jüngst bei der Herstellung eines Mühlgrabens
viele gewaltige Gefässe gefunden wurden, die, gewöhnlich mit ver-
modertem Getreide gefüllt, hier zu Lande bei keiner Ruine fehlen.
Eine neue Mühle unweit des untersten Lagers ist der einzige be-
wohnte Punkt in der sonst trostlos öden Umgebung.

Die feste Burg ist ohne Zweifel, wie man aus der Stellung
der beiden Castra erkennt, von Jemand errichtet worden, welcher
das Azmakdefile gegen einen nördlichen Feind sperren wollte.
Das obere Castell mit seinem weiten Horizont bildet ein Glied der-
selben Kette, zu welcher auch der Ruspuhissar im Balkan, die Burg
von Kajabas und die Stadt Jambol gehören. Sagen über den Ort
gibt es nicht, dagegen sah ich einige Münzen von den vielen, die
auf der obersten Burg gefunden wurden; es waren byzantinische
Kupfermünzen, sämmtlich arg beschädigt (einige mit dem Heiland
als „Basileus Basileon", andere concav), und eine gut erhaltene
Silbermünze des bulgarischen Caren Svetslav (f 1321).
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