Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Einige Bürger - von Karnabad zeigten mir eine Menge antiker
Münzen, Stücke von Thasos, Athen, Alexander d. Gr., römische
Kaisermünzen (von Augustus, Vespasian, Hadrian, Antoninus Pius,
Gordian, Philippus, Decius, Aurelian, Constantin u. s. w.), byzan-
tinische Gold- und Kupfermünzen u. s. w. Als Fundorte gab man
mir das Dorf Aftan im Süden des hiesigen Bezirkes und die Ge-
birgslandschaft nordwärts gegen den Pass von Calykavak (23 Kil.
östlich von dem bei Vrbica) an. Ich habe die Gegend an diesem
Passe sowie am Zusammenflusse beider Kamcija's nicht besuchen
können, aber die antiquarischen Daten, die ich erfuhr, sprechen
für eine von altersher stammende Bedeutung dieses Ueberganges,
welcher nach den Itinerarien von Bongars (1585), Boscovieh (1762),
Carsten Niebuhr (1767) iS) u. A. in den letzten Jahrhunderten all-
gemein die Verbindung zwischen Adrianopel und der Donau ver-
mittelte 19). Bei dem von Karnabad gut sichtbaren bulgarischen
Dorf Kosten gibt es auf einer hohen Kuppe eine grössere Burg
zum Schutze des Weges; in derselben sollen die Bauern einmal
eine Statuette einer unbekleideten sitzenden Göttin und in einem
nahen Tumulus das Skelett einer Frau mit goldenen Ohrgehängen
gefunden haben. Eine grosse Burgruine, angeblich noch mit einigen
erhaltenen Kammern, steht an der Kamcija bei Podvis; von dort
und ausKislaköi stammen die mir gezeigten Münzen Alexanders
d. Gr. Reste alter Gebäude gibt es auch bei Komarevo20), bei

18) Bongars Tagebuch, herausg. von Dr. Herrn. Hagen, Jacob Bongarsius,
Bern 1874. E. G. Boscovieh, Oiornale di un maggio da Costantinopoli in
Polonia. Bassano 1784. C. Niebuhr, Reisen durch Syrien etc. III (Hamburg
1837) p. 168 sq.

19) Der Uebergang über das Gebirge ist bei den drei genannten Reisenden
identisch: Gegend von Karnabad (Tubekoi = Türk Bejköi, Niebuhr), Komarevo

v

(Niebuhr) oder Bosilkovo (Bongars), Dobral (Boscovieh, Niebuhr), Calykavak
(Zaolcava derven Bongars, Scialikavak Boso.., Tschalikova N.); von dort geht die
Route von Bongars und Niebuhr über Eski Stambul nach Rasgrad , die des Bos-
covieh über Dragojevo nach Sumen. Bongars sah zwischen Eski Stambul und

v

Calykavak nur „bois sans voye ni sentier"; Boscovieh (p. 56) bemerkte ein zerfallenes
Pflaster am nördlichen Abstieg, „un tratto considerabile ladricato a pietre, le quali
di grandezza erano in circa, come quelle che in Italia troviamo nella Via Appia, e
altre $ trade Romane an t ich e, e parimenti di figura irregolare come quelle, ma
piu grosse", und Niebuhr (p. 172) sagt: „da wo es am steilsten bergunter
geht, hatte der Sultan den Weg erst neulich pflastern lassen". Das
Pflaster war also türkischen Ursprungs.

20) Nach Skorpil (a. a. O. S. 92) liegen 10 Minuten nördlich von Komarevo
die Fundamente eines viereckigen Castells mit runden Eckthürmen, nebst Resten
einer Ansiedelung, wo man Münzen von der Kaiserin Faustina, Constantin, Justi-
nian, Phocas u. A. gefunden hat.
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