Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 157
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eremetli (ursprünglich Gramatikovo genannt) u. s. w. In
der Richtung gegen Aitos zu steht eine Burg auf einem Vorsprung
des Balkans bei Sk ender Ii.

Ueber die Gegend am Zusammenflusse beider Kamcija's erfuhr
ich folgende Einzelheiten. In Cenge und bei Lopusna gibt es
Burgruinen; in Varna sah ich zwei Kupfermünzen aus einer „Mo-
nastiru genannten Ruine bei Cenge, die eine König Philippus (Reiter,
oiaippoy, neben dem Pferde a, ein Kopf), die andere von Ale-
xander (ein undeutliches Ding, aaehanapoy, B ein Kopf im Profil).
Westlich von Novoselo (Jeniköi), in welchem sich jetzt das Cen-
trum eines bulgarischen Bezirkes befindet, liegen nach den Erzäh-
lungen der dortigen Beamten bei dem Dorfe Karaburun zu beiden
Seiten der nördlichen Kamcija alte Burgen, rechts eine kleinere
„Monastir" genannt, links eine grössere auf dem Arkovna Bair,
beide wohl zur Deckung einer Brücke errichtet. Dabei bemerkt
man die Ueberreste eines von Norden nach Süden verlaufenden
gepflasterten Weges, über dessen Fortsetzung sich leider nichts
Näheres erfragen Hess.

Was die Vergangenheit dieser Wege und Burgen anbelangt,
so zerfallen die Strassen über den Ostbalkan in zwei Gruppen.
Die östliche Gruppe, von dem antiken Marcianopolis und dem mittel-
alterlichen Provad auslaufend, mit dem südlichen Ausgang gegen
Mesembria und Anchialos, tritt im Alterthum in den Vordergrund
und besteht aus zwei durch a]te Itinerarien, und wie ich zeigen werde,
auch durch erhaltene Reste bezeugten Römerstrassen in der Nähe
der Küste. Die zweite Gruppe, die erst im Mittelalter eine grössere
Bedeutung gewinnt, zwischen Preslav und seiner ganzen Umgebung
im Norden und Diampolis im Süden, umfasste vier Uebergänge
über den inneren Balkan zwischen den beiden Kamcija's: bei Kote],
bei Vrbica, bei Calykavak und bei Lopusna oder Karaburun. Der
zweite und vierte waren mit gepflasterten Strassen alten Ursprungs
versehen, der letzte ist ausserdem durch das Vorkommen make-
donischer Münzen merkwürdig. Diese Uebergänge, besonders der
zweite; sind wohl die Bepeyaßa, KXeicroöpa Bepeydßujv, eußoXfi Bepi-
ydßujv21) des 8. Jahrhunderts und die Xibnpd, ttuacü XiönpaT des
9. — 13. Jahrhunderts. Zwischen der Sidera und Jambol werden

n) Theoph. 359. 431, Nicephorus patr. 73 ed. Boor (die Lesart Beprfavuuv
bei Nicephorus ist nur durch einen Lesefehler des Petavius entstanden, cf. Boor
praef. p. XV).
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