Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 169
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1886/0179
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
als Aquae calidae, M e y a X n. Gepan, OepuÖTioXtc;, 0 e p jü d
u. s. w. im Alterthum und Mittelalter oft erwähnt. Das jetzige
Badehaus, ein Viereck aus wechselnden Lagen von Stein und Ziegel,
mit einer Kuppel überdacht und im halbdunklen akustischen Inneren
ein gleichfalls viereckiges Bassin (Quelle -f- 42° C.) umfassend, ist
nach Hadzi Chalfa's Zeugniss erbaut von Sultan Suleiman dem
Grossen (1520 — 1566). An dieses türkische Badehaus schliessen
sich an der Nordseite die Reste der alten römischen Therme an:
die soliden Fundamente eines viereckigen und daneben eines zweiten
runden Bassins mit vier Seitennischen, durch drei kleine Oeffnungen
miteinander verbunden und ungefähr bis auf Mannshöhe erhalten.
Das äussere runde Bassin ist gefüllt mit Regenwasser, das an der
Oberfläche von grünen Wasserlinsen (Lemna) überzogen ist. Hier
waren die unjai Gepjuuuv qpucriv uödtTuiv von Anchialos, welche Ju-
stinian zur Sicherheit der Kranken befestigen Hess (Procopius de
aedif. p. 263), die „aquarum calidarum lavacra, quae ad duodecimo
miliario Anchialitanae civitatis sunt siti, ab imo sitae fontis ignei sca-
turrientes et inter reliqua totius mundi thermarum innumerabüiuni
loca omnino precipua et ad sanitatem infirmorum efficacissimau des
Jordanes (Getica ed. Mommsen p. 86), die Gepjuurv ubdxujv oikoi, in
denen 583 der Harem des Avarenchans während der Belagerung
von Anchialos sich die Zeit vertrieb, die „sources de bains chauds
les plus beaux du monde entier" in der Stadt „La Ferme" bei „Aquile"
(Anchialos), die 1206 der Lateinerkaiser Heinrich nach der Erzäh-
lung Villehardouin's niederbrennen Hess. Daneben sieht man Spuren
von vielen Gebäuden nebst schwachen Resten einer Umfassungs-
mauer, welche das Badehaus in der Gestalt eines an den Seiten
ungefähr 500 M. langen Quadrates einschloss. Der ganze Boden
ist voll alten Baumaterials, behauener Steine, Ziegel u. s. w. Im
17. Jahrhundert waren die Reste viel bedeutender, denn Hadzi
Chalfa (Rumeli u. Bosna S. 26) bemerkt: „namhafte Ruinen zeigen,
dass dieser Ort vormals eine ansehnliche Stadt gewesen sein müsse".
Die Einwohner der Umgebung erzählen, bis zu den Zeiten der
„Kirdzali's" (um 1800) sei hier bei dem Bade ein Dorf gewesen; jetzt
liegt die nächste Ansiedelung Lidzaköi (nur 7 Häuser, Türken
und Bulgaren) eine Viertelstunde gegen Norden am Fusse der Hügel.
Münzen konnte ich keine zu Gesicht bekommen und auch alles
Nachfragen nach Inschriften war vergeblich. Dagegen zeigte man
mir in dem drei Viertelstunden gegen NW. entfernten griechischen
Dorf Urum-Jeniköi (türk. „Griechisch - Neudorf") über einem
loading ...