Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 181
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Dobrudza ausbreitet. Gute Zufahrten abwärts zur See gibt es nur
an zwei Stellen, welche durch die Städte Balcik und Kavarna be-
zeichnet sind. Das Felsenufer endigt an dem Cap Kaliakra, um
sich dort wieder nach NO. und N. zu wenden. Auf diese Weise
entsteht in dem Winkel zwischen den waldigen Höhen der West-
seite und dem steilen Ufer der Nordseite ein Golf, der bei Balcik
eine geschützte Rhede besitzt.

Ein Ausflug, den ich in Begleitung eines guten Kenners der
Gegend und ihrer Alterthümer, des Herrn Schulinspectors M. Radi-
vojev, in diese Küstenlandschaft unternahm, blieb nicht ohne archäo-
logische Ausbeute, obwohl die Russen 1829 und im Krimkriege die
Franzosen manches Denkmal weggeführt haben. Der nächste Ort
von Varna aus ist Kesteric, mit Resten eines Klosters (Aladza
monastir) und einigen Höhlenkirchen. Wir Hessen dasselbe rechts
und erreichten in drei Stunden (zu Wagen) eine Ansiedelung, die
früher als Tscherkessendorf Azizie hiess , jetzt aber (seit 1879)
von Bulgaren aus der Gegend von Vaisal bei Adrianopel bewohnt
ist und Dispudak (403 Einw.) genannt wird37). An der West-
seite des Dorfes liegen im Thalgrund die Ruinen eines viereckigen,
an jeder Seite 40 Schritt breiten Castells mit Rundthürmen an den
Ecken, wovon die 2 M. starken steinernen Mauern zum Theil bis
über Mannshöhe aufrecht stehen; dasselbe bildet jedoch nur eine
(östliche) Flanke einer grösseren polygonalen Burg mit sieben
sämmtlich je 50 Schritt langen Seiten. Im Innern der Burg liegen
die Substructionen einer kleinen Kirche; man fand dabei metallene
Kreuze, Thongefässe u. s. w. Halbverwilderte Weinreben bedecken
die nahen Abhänge, die erst seit Kurzem wieder bebaut werden,
denn vor der Anlage des Tscherkessendorfes (1864) war hier nur
eine Waldwüste. Auf einem der vielen Brunnen bei den Ruinen
sah ich eingemauert einen Grenzstein der alten Odessitaner, mit
schönen, 10*5 Cm. hohen Schriftzeichen:

37) Azizie ist auf der Karte von Kanitz angegeben. Der Ort fehlt auf der
österr. Generalstabskarte; er liegt zwischen Dzeferli und Ekrene, südlieh von
Geikciköi, südwestlich von Ekrene.
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