Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 187
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Die Situation von Kavarna mit dem einzigen guten Zugang
zur See auf der ganzen Strecke von Balcik bis Kaliakra (das Ufer
besteht sonst aus steilen, an 100 M. hohen Felsen mit horizontalen,
oben rothen, unten weissen Schichten) entspricht dem einzigen Orte,
welcher in den Periplen des Alterthums und des Mittelalters in dieser
Gegend genannt wird. Hier ist wohl das alteBizon oderBizone
zu suchen, schon vor dem Beginn unserer Zeitrechnung zum grössten
Theil durch ein Erdbeben untergesunken: BiZiajvn, f\<; KonreTröÖri
ttoXu juepO£ uttö creicfuujv des Strabo VII p. 319, Bizone „motu terrae
intercidit" bei Pomponius Mela II. 22, Bizone terrae hiatu rapta
des Plinius n. h. IV §. 44, noch von Arrian (Peripl.) als xwpoq
epr|juo<; erwähnt; dem anonymen Periplus zufolge (B., ev iL öaXoq)
war es nach den Einen, von Barbaren, nach Anderen von Mesem-
brianern bewohnt. Als Station der Küstenstrasse erscheint Bizone
noch auf der Peutinger'schen Tafel. Unter dem heutigen Namen
taucht der Ort im 14. Jahrhundert wieder auf, als Kdpvaßa der
Byzantiner (Acta patr. I. 95. 528) und C a u a r n a (Gauarna) der
Italiener, mit einem 1444 (bei Callimachus) erwähnten Schloss.

Ungefähr dreiviertel Stunden östlich liegt das grosse Gagauzen-
dorf Gjaur-Sujutcuk (890 Einw.) , mit einer starken Quelle.
Von einer Inschrift bei der Kirche kann ich eine Copie des H.
Radivojev mittheilen:

0 E N A I O N I
AYPOYAAEPIO
TEPnANOY
ÜE2ATOYK
5 I UN I A I K N
n A N T UJ N

Durch wüste Strecken mit rothem Boden und niedrigen Eichen-
büschen erreicht man 50 Minuten von Gjaur-Sujutcuk das merk-
würdige Vorgebirge Kaliakra, welches castellartig weit in die
See hervortritt und dem Wanderer schon von der Ferne eine scharf
profllirte Silhouette bietet. Unterwegs fallen zahlreiche viereckige
Plätze auf steinigem Boden auf, offenbar Reste alter Haushöfe oder
Weingärten; man bezeichnet sie hier als Eski-Jeniköi (türk.
„Altneudorf")39). Die Befestigungen von Kaliakra, deren Anfang

') Ein Dorf Gelegri, welches die österreichische Karte zwischen Gjaur-
Sujudzuk und dem Cap angibt, existirt hier (wenigstens jetzt) nicht.
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