Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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liehen Ursachen, da der Boden in der nächsten Nähe sehr unfrucht-
bar ist und das Schloss ausserdem an argen Mängeln leidet; es
hat keinen rechten Hafen für grössere Schiffe, zu dem einzig mög-
lichen Landungsplatz führen nur äusserst steile Pfade hinunter,
und überdies bezieht es alles Trinkwasser (ausser den Cisternen)
nur aus zwei Brunnen, welche ausserhalb des alten Schlosses
gegen NW. liegen. Als Capo Calacria ist das Vorgebirge noch
jetzt den Seefahrern allgemein bekannt; auch der griechische Name
Kaliakra lebt noch. Die Türken nennen es Gelare. Die Form
„Gülgrad" auf vielen modernen Karten ist (wohl aus dem älteren
türkischen Kilagra) durch ein an das slavische „gradu (Burg) an-
klingendes Missverständniss entstanden und hier im Lande unbe-
kannt.

Die Alterthümer der alten Burg sind längst verschleppt. Der
russische Admiral Greigh sah auf dem Cap 1829 noch zwei Marmor-
stücke mit altgriechischen Inschriften40). Mir zeigte man nur einige
hier gefundene Münzen: ein Silberstück Kaiser Hadrians (vRestitutori
Hispaniae") und zwei unkenntliche, wohl griechische Kupfermünzen.

Ueber die Alterthümer der weiteren Küstenstrecke bis zur
rumänischen Grenze verdanke ich einige Mittheilungen Herrn Radi-
vojev 41):

1. Im Schulhause von Jaly Üc Orman, 18 Kilom. nördlich
von Kaliakra:

IuMAI
ATO YKY
A N E IKH
O P O E
5 YMPOY
KAIMH

B O M A I
AHAM

In der letzten Zeile stand wohl sicher Ka\\]aTiavuj[v.

A0) Tepljakov op. cit. S. 23.

41) Die Ebene zwischen Balcik und Silistria habe ich nicht besucht. Ein
bulgarischer Beamter erzählte mir, in Hadzi-Oglu-Pazardzik (1882 umgenannt in
Dobric) stehe bei der Kirche eine Säule mit dem Namen des Alexander Severus.
Sonst hörte ich nur von künstlichen Höhlen (mit Kirchen?) bei Bazaurt, türk. „gjaur-
evleri" (Häuser der Ungläubigen) genannt, und von Resten alter Ansiedelungen bei
Gelendäik und Kabasakal in derselben Gegend.
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