Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Fusse des Burgfelsens fand man eine Menge Pfeilspitzen, steinerne
Grabkreuze, „Töpfe mit Menschenknochen" u. s. w. Das Schloss
wird 1444 bei dem Zuge König Wladislaw's nach Varna genannt,
Petrus oder Peterspürck bei Michael Beheim (herausg. von
Karajan, Quellen und Forschungen zur vaterl. Gesch., Wien 1849
S. 41), P e t r e c z bei Dlugosz, in den Ausg. des Callimachus ver-
unstaltet in Pezechium statt „Petrechium". Es ist vielleicht identisch
mit dem byzantinischen tö TleTpiv (neben TTpoßdiou«; in der Eparchie
von Varna 1369 Acta patr. I 502).

Sonst konnte ich über die Umgebung von Marcianopolis nur
Wenig erfahren, höchstens dass auf einer bewaldeten Anhöhe bei
dem nahen Kotlubej öfters Silbermünzen von Alexander d. Gr.
gefunden wurden. Die Bevölkerung der Gegend hat seit hundert
Jahren ganz gewechselt. Die vier Orte Devna, seit 1830 von
Bulgaren aus der Gegend von Jambol, Trjavna u. s. w. colonisirt,
Eski Arnautlar oder bulg. A r b a n a s i (Türken), D e r e k ö i,
ursprünglich Petrova Reka (Bulg.), und das heutzutage halb
verödete Dizdarköi, bulg. D o b r i n a genannt, eine Art Vor-
stadt der Burg von Provadia mit zwei alten Kirchen, gepflasterten
Strassen, Brunnen u. s. w., waren bis 1829 zum Theil von christ-
lichen Albanesen bewohnt. Die Vorfahren derselben werden schon
1595 in diesen Gegenden genannt, wahrscheinlich nach der Unter-
werfung des Epirus von den Türken hieher übergesiedelt; ihre Nach-
kommen leben jetzt in Volkonesti und Karakurt in Süd-Bessarabien.

Das mittelalterliche Centrum der Landschaft war das von
Marcianopolis nicht sehr entfernte Provadia (byz. TTpößaiov,
altbulg. Provad), noch im 16. Jahrhundert ein bedeutender Handels-
platz, gegenwärtig der allerdings sehr verfallene Hauptort eines die
Gegend zwischen Varna und Sumen umfassenden Bezirkes. Seine
Felsenburg, die durch ihren Typus bereits an die befestigten Tafel-
berge von Trnovo, Lovec u. s. w. längs der Nordseite des Balkans
erinnert, ist von Kanitz beschrieben und abgebildet worden. Die
zwei von demselben (Donau - Bulgarien III S. 354) nur unvoll-
kommen edirten mittelalterlichen Inschriften auf glatten Säulen
habe ich nochmals copirt. Dieselben beginnen mit dem Namen des
heidnischen Bulgarenfürsten K&vas 'QuoupxaY,, rex Bulgarorum
Omortag in Einhard's Annalen ad a. 824, und bilden mit der
schon längst bekannten Säule des Omortag in der Kirche der heil.
40 Märtyrer zu Trnovo (vgl. Geschichte der Bulgaren S. 148 Anm.),
der jetzt verschollenen Säule aus der Zeit des K&vac; MaXoiu^p, eines

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