Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 202
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Weingärten bedeckten Raum zwischen dem Dorfe und dem Aus-
tritt der Tica aus einem waldigen Defile ungefähr auf eine halbe
Stunde Weges erfüllte. Das entspricht dem äusseren toö actteo^
TrepißoAoc; (oder xeixo^) mit den erraXHeic; und der inneren ßaoiXeio«;
aiiXn,, Teixiov exupöv Keiarijuevn, ev fj Kai ö ttXoötoc; Mucroi^ evaTre'KeiTO
in der anschaulichen Beschreibung bei Leo Diaconus (p. 134—133).
Das Schloss (Saraj genannt) steht an 600 M. vom linken Ufer
des Flusses, an welchem hier auch die Spuren einer alten Brücke
bemerkbar sind. Es war ein etwas unregelmässiges Viereck, im
Innern von Norden nach Süden 225 Schritt breit; von der 2 M.
breiten, auf der Aussenseite durch solide Quaderverkleidung (die
einzelnen Quadern 0*9 M. L, 0'45 br.) gedeckten Umfassungsmauer
aus Rollsteinen stehen noch vier bis 20 Schritt lange und 5—6 M.
hohe Stücke. Alte Bauern erinnern sich sie gesehen zu haben, als
sie noch ganz erhalten war und ein Thor hatte. Die Linie der
äussereD Umwallung ist kaum kenntlich, soll aber vor Jahren nahe
bei dem Dorfe stückweise noch auf Mannshöhe hoch gestanden
haben. Im Innern gibt es über der 40 M. tief eingeschnittenen
quellenreichen Schlucht des Baches Tunika Reka eine Stelle,
genannt Monastir. Dieselbe gilt als Fundort alten Mosaiks und
ich selbst, als ich auf dem geackerten Felde oben am Rande der
Böschung mit dem Spaten an's Werk ging, stiess neben einigen
Splittern grünen undurchsichtigen Fensterglases auf hübsch ge-
glättete Mosaikstücke verschiedener Form und Grösse in drei Farben,
allerdings nicht mehr zusammenhängend, sondern zerstreut unter
dem von der Pflugschar Jahr für Jahr umgewendeten Boden. Im
Dorfe selbst sind in der Kirche und in dem Amtshause zahlreiche
glatte" Säulen, Capitäle mit Akanthen, Architrave, thönerne Röhren
und viele Quadern zu sehen. Grosse längliche Platten mit schönen
Blattornamenten, darin ein Kreuzzeichen, jede in drei Felder (0*39
h. u. br.) getheilt, sind von hier nach Sumen gebracht worden (zwei

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im Leseverein „Citaliste", fünf bei dem Metropoliten); einen ähn-
lichen Stein aus Preslav mit blitzartigen Linienornamenten sah ich
bei der Kirche von Kotel. Die meisten dieser bearbeiteten Steine
sollen aus dem inneren Schloss stammen. Die Preslaver erzählen,
vor Jahren habe man grosse „silberne und goldene Handschuhe",
bis zum Ellbogen reichend, aufgefunden und eingeschmolzen; auch
zeigte man mir eine 15 Cm. lange hohle Froschfigur aus Bronze guter
Arbeit, mit einer Miniaturmaus als Deckel. Bei der Schule steht
endlich auch eine 16 Zeilen lange, sehr beschädigte lateinische In-
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