Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 210
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Bajina - Basta im Drinathal, welches die Grenze gegen Bosnien
bildet, weiter flussabwärts bis Ljubovje und über Krupanj nach
Sabac an der Sawe. Durch die unfreiwillige Hast, mit der wir
von Uzice an reisten, wurde meine Ausbeute noch spärlicher, als
sie bei den schlechten Verkehrsmitteln des Landes und bei dem
geringen Interesse, das man, rühmliche Ausnahmen abgerechnet1),
den Resten der Römerzeit entgegenbringt, auch sonst gewesen wäre.
Das Wenige dürfte aber immerhin als Beispiel dessen, was von
diesem Boden zu erwarten ist, Interesse haben und trotz des rohen
Charakters der meisten von diesen Denkmälern theilweise auch
mehr als locale Bedeutung beanspruchen. Wo es halbwegs angeht,
gebe ich Zinkdrucke nach meinen Skizzen, welche trotz ihrer Mängel
immerhin eine bessere Anschauung vermitteln werden, als blosse
Beschreibungen. Auf die wissenschaftliche Verarbeitung des Stoffes
einzugehen bin ich hier nicht in der Lage, schon weil mir die
einschlägige Litteratur fast ganz unzugänglich ist.

Die hervorragendsten Sculpturen, welche uns begegneten, sind
zwei zusammengehörige Kolossalstatuen im Garten des militär-
technischen Laboratoriums zu Kragujevac, welche ebenda beim
Konak, der einstigen Residenz der serbischen Fürsten, ausgegraben
wurden, Apollo und Minerva, nach Art von Giebeleckenfiguren
auf dem Boden gelagert, mit halb erhobenem Oberkörper, welchem
der eine auf eine Felserhebung gestützte Arm zur Stütze dient, der
Gott links-, die Göttin rechtshin. Die beiden reliefartig componierten
Figuren waren aus je drei Blöcken eines, wie man uns sagte, in
der Nähe brechenden Sandsteins zusammengesetzt und von nicht
ganz ungeschickter decorativer Arbeit. Minerva, im eng anliegen-
den Schuppenpanzer, die Beine ganz in den Mantel gehüllt, welcher
auch über den vorgestreckten Arm herüberhängt, hat den Kopf
und mit der 1. Hand und dem r. Unterarm ihre Attribute verloren.
Mehr ist vom Apoll erhalten, obzwar er, besonders an den Glied-
massen, zum Zwecke der Erbauung eines Bleischmelzofens in wohl
an die zwanzig Stücke zerschlagen worden war, um deren Zu-
sammenfügung sich besonders Domaszewski verdient machte; nur
der rechte Arm war nicht aufzufinden. Bekleidet ist er mit vorn

auf

*) Die königliche Regierung unterstützte Domaszewski's Unternehmen
das nachdrücklichste. Unter den einsichtigen Privatmännern, denen wir für För-
derung unserer Arbeiten verpflichtet sind, sei vor Allen Herr Ingenieur Luka Ivkovic
in Kragujevac, von Geburt ein Oesterreicher, hervorgehoben.
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